Ein Unglück kommt selten allein!

29.05.2019, Fahrdorf - Maassholm

Es ist Mittwoch vor Himmelfahrt und vor uns liegen sechs Tage Segeln. Wir haben Freitag sowie Montag und Dienstag Urlaub genommen – top Voraussetzungen für gute Laune!

In Fahrdorf angekommen, machen wir uns sogleich an das Klarieren zum ablegen. Unserer Freunde aus Fahrdorf kommen später nach. Unser Jüngster kann es dann auch kaum abwarten, seine Spielkameradin heute Abend widerzusehen.

Wir verlassen den schönen Hafen des FSV mit Wehmut, denn das Ziel unserer Reise ist Marina Minde, von wo aus wir in wenigen Wochen in den Sommerurlaub starten. Wir motoren bis zur Lindaunisbrücke. Ab dort segeln wir mit der Sonne im Rücken und mit achterlichem Wind bis zur Brücke bei Kappeln – traumhaft! Die Schlei ist  wunderschön!

Eigentlich wollen wir im Stadthafen von Kappeln festmachen. Der ist jedoch wegen der dort stattfindenden Heringstage rappelvoll, so dass wir uns gemeinsam in Maasholm einfinden. Auf Grund des nasskühlen sowie windigen Wetters legen wir dort an Himmelfahrt einen Hafentag ein.

31.05.2019, Maasholm - Sonderburg

Nach einem Tag, den wir überwiegend unter Deck verbracht haben, zieht es uns alle weiter. Wir legen gegen halb neun ab und setzen noch vor Verlassen der Hafeneinfahrt die Segel. Der westliche Wind beschert uns tolle Segelbedingungen und erst kurz vor Sonderburg starten wir den Motor zum Einlaufen in den Sportboothafen. Unsere Freunde mit ihrer X-382 sind deutlich später als wir in Maasholm losgefahren, kommen aber nur wenige Minute später als wir im Sportboothafen Sonderburg an – faszinierend!

In Sonderburg treffen wir Kay von Eitzen sowie zahlreiche Bianca 27-Eigner, die sich hier zum jährlichen Sommertreffen eingefunden haben. Wir freuen uns sehr Kay wiederzusehen. Er hat die gleiche Leidenschaft für klassische Boote, zu denen auch unsere Hanna zählt. Er organisiert schon seit Jahren Sommer- sowie Wintertreffen für Bianca 27-Liebhaber, zu denen wir auch einmal gehörten. Kay schafft es durch seine sympathische Art immer wieder neue Bianca 27-Eigener mit „ins Boot“ zu holen. Bei diesem Treffen sind auch viele junge Segler dabei – eine sehr erfreuliche Entwicklung!

01.06.2019, Sonderburg - Alssund

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege. Unsere Freunde müssen zurück nach Fahrdorf während wir uns auf die Suche nach einem schönen Ankerplatz machen. Genau ab hier nimmt das Unglück seinen Lauf!

Um einmal etwas Neues zu probieren, wollen wir die kleine Bucht „Vemmingbund“, die westlich vom Sportboothafen von Sonderburg liegt, erkunden. Wir motoren an das westliche Ende der Bucht und nähern uns dem Ufer wegen etwaiger Untiefen im spitzen Winkel. Auf unserer Navoinics-App stehen über 3 Meter Wassertiefe – also Alles gut! Doch plötzlich zeigt das Echolot nur noch 1 m, dann 0,7 m und 0,5 m. Schnell ändern wir den Kurs weg vom Land. Doch dann gibt es einen lauten Knall und unser Schiff kommt abrupt zum Stehen. Unser Jüngster unter Deck, wird mitsamt seiner Spielsachen nach vorne geschleudert – Nicole fällt über den Traveler und ich kann mich noch abstützen und die erwartungsgemäß harte Landung der Skipperin etwas abfedern.

Wir sind im ersten Moment ziemlich geschockt. Der Aufprall bei ca. 4 Knoten war derart stark, dass es sich fast wie eine Explosion anhörte! Wirklich unfassbar! Mit mulmigem Gefühl gehe ich unter Deck und nehme die Bodenbretter hoch. Wir scheinen jedoch noch einmal Glück gehabt zu haben – kein Wassereinbruch!

Wir schauen uns noch einmal die Karte in der Navionics-App an. Wir vergleichen diese mit einer älteren Version der App auf Nicoles Tablet sowie mit der Seekarte und unserem Plotter: Dort stehen überall 0,7 Meter und nur auf der vor wenigen Wochen aktualisierten Navionics-App auf meinem Smartphone werden an dieser Stelle 3 Meter Wassertiefe ausgewiesen. Hier handelt es sich offenbar um einen Übertragungsfehler – unglaublich!

Der Schock sitzt uns immer noch in den Knochen, als wir Kurs Richtung Alssund nehmen. Dort legen wir uns neben einigen anderen Seglern vor Anker. Den Abend vor Anker genießen wir sehr, wunderschöne Natur, die Sonne scheint und der Wind flaut deutlich ab.

Am nächsten Morgen frühstücken wir in der Plicht und überlegen, welchen Ankerplatz wir heute anlaufen könnten. Später schreibe ich Logbuch und Nicole kommt auf die Idee, die Bilge zu reinigen (da wäre ich nicht drauf gekommen). Allerdings war das unser Glück, denn als Nicole eines der vorderen Bodenbretter hochnimmt, steht dort Wasser! Der Geschmackstest ergib Salzwasser! Wir haben offensichtlich ein Problem! Wir pumpen das Fach leer und ich entdecke ein kleines Rinnsal, unterhalb der Toilettenkonsole. Diese Stelle ist ohne Hilfsmittel nicht einsehbar. Mit dem Smartphone kann ich ein kurzes Video drehen. Und tatsächlich, ich kann die Leckagestelle orten.

Wir können unser Pech kaum fassen. Das Leck ist zwar problemlos beherrschbar aber es führt kein Weg daran vorbei, wir müssen wieder aus dem Wasser!

Wir beginnen mit der Planung und unsere Überlegungen reichen von „die Hanna nach Hause bringen und in die Halle stellen“, bis „irgendwo kurz aus dem Wasser und versuchen, das Leck notdürftig zu reparieren“.

Wir erfahren im Folgenden große Hilfsbereitschaft, u. a. von unseren Freunden aus Fahrdorf, von Bernd Meusel und von Kay von Eitzen.

Ich mache es kurz: Auf Empfehlung motoren wir nach Gelting Mole, wo wir vorrangig behandelt und mit stehendem Mast aus dem Wasser gehoben werden. Unten am Kiel können wir sofort das aufgerissene Laminat erkennen. An der Stelle, wo das Wasser ins Schiffsinnere lief, ist nichts zu sehen – Erklärung dazu später.

Da der Schaden größer ist als erwartet, wird unsere Hanna mit dem Sublift zum Winterlagerplatz verbracht und dort auf einen Lagerbock gestellt. Wir achten daraus, dass unser Schiff leicht nach vorne gekippt steht, damit das Wasser aus der Stelle laufen kann.

Uns wird gesagt, dass wir bei dem Schaden bestimmt zwei Wochen hier liegen würden. Von Laminieren habe ich nicht viel Ahnung. Als Jugendlicher habe ich bei Reparaturarbeiten an meinen Surfbrettern mit Epoxidharz und Glasmatten rumhantiert, mehr aber auch nicht.

Jedenfalls ist unsere Stimmung im Keller. Was kommt jetzt auf uns zu? Wie teuer wird das Ganze, und, sind wir vor Beginn unseres Sommerurlaubs wieder im Wasser?

An dieser Stelle kommen unsere Freude aus Fahrdorf ins Spiel. Björn ist Pragmatiker und ein Experte u. a. in Bezug auf Laminieren. Er hat auch beruflich damit zu tun. Er macht sich abends noch auf den Weg zu uns nach Gelting, um sich den Schaden anzuschauen. Mit Hammer und Meißel arbeitet er die schadhafte Stelle kurzerhand auf, woraufhin noch mehr Wasser herausströmt. Während wir düsteren Gedanken ergeben sind, hören wir Björn sagen: “Ihr könnt Dienstag wieder ins Wasser!“ Wir merken sofort, dass er kein Spaß macht. Für uns ist es völlig unvorstellbar, wie das gehen soll! Um es vorweg zu nehmen: Wir sind Dienstagmittag mit unserer Hanna in Marina Minde!

Uns ist sicher unsere deprimierte Gemütslage anzumerken. Björn nimmt uns mit nach Hause und wir werden kulinarisch versorgt – Anja, tausend Dank für das leckere Chili Con Carne! Unsere nächtliche Herberge ist die X-382 unserer Freunde, ein Raumwunder, gerade im Vergleich zu unserem Schiff.

Am nächsten Tag arbeiten wir die To Do- und Einkaufliste ab, die Björn uns aufgegeben hat. Ein guter Freund von Björn bringt uns netterweise noch Werkzeug vorbei. Er heißt Sönke Matthiesen (Bootsservice Matthiesen - http://sandwater.bplaced.net/boot/) und bietet umfangreiche Dienstleistungen rund um den Bootsservice an. Er ist sehr flexibel und kompetent!

Auf dem Weg zu unserer Hanna nach Gelting, holen wir Bernd Meusel (Delphin 66-Eigner, „Joker“, Baunummer 20) ab. Er ist Bootsbauer durch und durch und ist als Pensionär immer noch in der Ausbildung von Jugendlichen tätig. Seine jahrzehntelangen Erfahrungen haben einen unschätzbaren Wert. Auf die Frage, warum Wasser weiter oben ins Schiffsinnere gelaufen ist, kann er auch sofort die passende Erklärung liefern: Im Bereich des Kiels haftet das Laminat nicht vollständig am Ballst aus Blei, so dass dort Wasser dazwischen laufen kann und weiter oben ins Schiffsinnere laufen kann.

Während ich mich mit Schutzanzug, Staubmaske und Schutzbrille ausgerüstet an das großflächige Abtragen der schadhaften Stelle mach, steht oder kniet Bernd geduldig hinter mir, um korrigierend einzugreifen. Am Rande sei erwähnt, dass das Abschleifen von GFK eine Riesensauerei ist. Trotz Schutzanzug spüre ich an Armen und Beinen sowie am Oberkörper bis zum nächsten Morgen kleine Stecknadeln.

Abends kommt Björn, der beruflich in Hannover zu tun hatte zu uns nach Gelting (er ist mittlerweile 14 Stunden auf den Beinen!). Er macht sich sofort an die Arbeit. Nicole und ich folgen seinen Anweisungen und mischen nach Bedarf Epoxidharz an und schneiden das Glasfasergelege bzw. -gewebe zu. Hier wird nicht lange geschnackt, sondern angepackt! Nach gut 1,5 Stunden ist alles erledigt. Zum Schluss baut Björn noch ein kleines Zelt um die reparierte Stelle und stellt einen Heizlüfter darunter. Auf diese Weise härtet das Epoxidharz schneller aus.

An dieser Stelle danken wir Björn für seinen beispiellosen Einsatz, ohne den dieses Manöver ganz sicher völlig anders abgelaufen wäre. Auch Bernd Meusel, der uns spontan beratend und mit aufmunternden Worten zur Seite stand, danken wir von Herzen!

Die Nacht verbringen wir an Bord unseres Schiffes. Nette Aussicht von der Plicht aus! Wir können sogar Kalkgrund sehen.

Am nächsten Morgen entferne ich das Abreißgewebe, dass in einem spitzen Winkel von ca. 15° abgezogen werden muss. Mit einem Rest Antifouling, den wir netterweise vom Hafen bekommen haben, pinsel ich Stelle noch schnell ein und dann kommt auch schon der Sublift und bringt unsere Hanna zum Hafen, wo sie ins Wasser gelassen wird. Wir steigen an Bord und legen direkt ab – Kurs Marina Minde.

Björns Vater holt uns schließlich hier ab und bringt uns zurück nach Gelting Mole, wo unser Auto steht – vielen Dank dafür!

Unser Fazit: Vertraue beim Navigieren niemals alleine einer App, sondern verwende parallel amtliche Seekarten! Wie praktikabel dies in der Praxis ist, wird sich zeigen, zumal der Salon unseres Schiffes vollständig von unserem Leichtmatrosen in Beschlag genommen wird und an eine Fläche, die frei von Playmobil, Lego oder sonstigem Spielzeug wäre, nicht zu denken ist!

 

 







Ein Wochenende auf der Schlei

17.05.2019, Fahrdorf - Ankern vor Reesholm

Es ist zwar schon fast dunkel, aber wir wollen unbedingt noch los - die anstrengende Woche hinter uns lassen. In Windeseile baut Nicole die Kuchenbude ab. Dabei schafft sie es, das unhandliche Monstrum mit wenigen Handgriffen zu einem handlichen Päckchen zusammen zu legen. Wie das geht, kann ich immer noch nicht nachvollziehen.

Wir machen den Motor an, schmeißen die Leinen los und legen gegen 21:45 ab. Während Nicole unsere Hanna bei mäßiger Sicht aus dem Hafen steuert, montiere ich noch schnell die Positionslaterne am Bug. Zu meiner großen Freude, geht sie sogar! Der Wind weht mit ca. 5 Beaufort aus Ost und es wird nass an Bord. Auf Empfehlung von unseren Freuden aus Fahrdorf legen wir uns bei der Halbinsel Reesholm vor dem kleinen Wäldchen vor Anker. Wir sind müde und gehen früh in die Kojen.

18.05.2019, Ankerplatz vor Reesholm – Ankerplatz bei Missunde

Der Morgen ist nebelig, die Sicht sehr begrenzt. Ich nutze die Zeit, um das Rigg nachzuspannen. Nicht nur Bernd Meusel sondern auch einige andere erfahrene Segler haben uns darauf hingewiesen, dass hier Handlungsbedarf besteht. Ich selber war mir dessen aber auch bewusst, hatte aber noch nicht die Zeit und Muße, mich daran zu machen. Leider sind unsere Wantenspanner nicht alle gleich, sondern die Muttern haben unterschiedliche Schlüsselweiten und einige drehen rechts-, andere linksherum – absolut nervig!! Irgendwann werden wir auch diese Hürde beseitigen.

Ich hole also das Werkzeug aus der Werkzeugschublade und mache mich an die Arbeit. Kurz bevor ich als letzte Maßnahme die Muttern der Wantenspanner als Sicherung anziehen will, höre ich Nicole von unten rufen: „Wieso geht die Toilettentür auf einmal so schwer auf und zu??“ Ich weiß sofort den Grund – Nicole wohl auch. Ich verspüre leichten Anflug von Groll und mache mich daran, die Wantenspanner wieder etwas zu lösen.

Nach dieser wenig erbaulichen Aktion wollen wir aufbrechen und segeln. Ich hole den Anker hoch und dann hissen wir die Segel. Wir nehmen Kurs auf Missunde/Brodersby. Als wir aus der Abdeckung herauskommen, begegnen uns Böen mit bis zu 6 Beaufort. Wir haben eigentlich zu viel Segelfläche. Zu unserer Freude performen wir jedoch saugeile Höhe und das noch mit teilweise 6,7 Knoten! Liegt es tatsächlich an der aggressiven Vorspannung unseres Riggs? Das Ganze wird dann noch getoppt, als ein 30er Jollenkreuzer mit uns zeitgleich in das enge Fahrwasser bei Missunde einmündet und wir in eine Regattasituation mit diesem kommen. Die beiden Segler scheinen geübt und fahren 1a-Manöver. Wir sind wirklich überrascht, als sich herauskristallisiert, dass wir nicht nur besser Höhe laufen, sondern auch noch geringfügig schneller sind – genial!

Schräg gegenüber vom Missunder Yachtclub legen wir uns neben einem Schilfgürtel, ganz nahe am Ufer, vor Anker und bringen zwei Heckleinen zum Ufer aus. Wenige Meter weiter macht die Schlei einen Bogen. Von Dort kommen Wellen mit Schaumkronen um die Ecke. Wir liegen hier hinter dem Schilfgürtel und dem hohen Ufer jedoch total windgeschützt und wie in Abrahams Schoß – unglaublich schön, zumal auch noch die Sonne herauskommt. Es gibt viele Segel- und Motorboote, die diese Stelle passieren - einige mit Motor, viele unter Segeln - schön anzusehen!

Der Tag vergeht, wie immer an Bord, viel zu schnell. Am Abend kocht Nicole wieder leckeres Essen und wir rudern im Anschluss mit dem Schlauchboot nochmal rüber zum andere Ufer. Das Fährhaus Missunde ist sehr hübsch gelegen. Ein guter Anlaufpunkt zum Kaffeetrinken, da direkt davor Boxen zum Anlegen vorhanden sind.

 19.05.2019, Ankerplatz bei Missunde – Fahrdorf

Auch heute Morgen ist die Landschaft in dicken Nebel gehüllt. Erst am späten Vormittag lichten wir den Anker und segeln, zunächst nur mit ausgerollter Fock (damit es nicht zu schnell geht). Wir lassen uns Zeit und fahren auf der Großen Breite einen großen Bogen entlang des schönen Schleiufers, vorbei am malerisch gelegenen Internat Louisenlund. Es ist herrlicher Segelwind, die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Es könnte unseretwegen gerne so weitergehen, aber es ist ja leider schon Sonntag.

 



Kaffefahrt auf der Schlei

11.05.2019, Schlei

Heute sind wir an der Schlei, um mit unserer „erweiterten“ Familie, die teilweise aus München angereist sind, ein paar kurze Törns zu machen. Es ist zwar kühl, aber die Sonne scheint. Nachmittags kommt sogar noch etwas Wind aus Nord-Ost auf. Schräg gegenüber von Fahrdorf, gibt es ein brachliegendes Gelände, das gerne von Campern genutzt, da man hier direkt am Wasser stehen kann. Der Ort heißt "Große Freiheit". Wir können dort an einer (teilweise baufälligen) Kaimauer festmachen und unsere Familien grüppchenweise an Bord holen, um eine paar Schläge auf der Schlei zu machen. Diejenigen, die an Land bleiben, genießen auf extra dafür mitgebrachten Gartenstühlen, die tolle Aussicht.

Wir freuen uns sehr, als sich die Crew von der „Joker“ (Monika und Bernd Meusel)
meldet. Sie machen hinter uns fest und wir können fachsimpeln. Ich bin wieder einmal beeindruckt von Bernds enormem Fachwissen. Er hat wirklich, gefühlt, für jedes Problem eine Lösung!

Abends verlagern wir das Familientreffen nach Fahrdorf und spielen u. a. Karten. Es ist zwar voll an Bord, aber Dank der Kuchenbude haben wir etwas Platz dazu gewonnen. Die Nacht wird für Alle ziemlich kurz, insbesondere für unsere Kinder, die mit den Jungs aus München bis tief in die Nacht Mau Mau spielen.

 



Es kann weiter gehen!

01.05.2019, Flemhuder See - Kiel Schilksee

Nach einer ruhigen Nacht vor Anker und einer funktionierenden Dichtung (die alte Stopfbuchsdichtung), geht es heute Morgen früh los. Gegen 6:50 starten wir den Motor und holen das Eisen hoch. Die Strecke bis zur Schleuse in Kiel Holtenau ist ja nicht mehr lang. Gegen 8 Uhr machen wir am Wartesteg in Kiel fest und ziehen ein Ticket für das Passieren des Kanals. Dann warten wir auf "unterbrochen weiß", das Signal für die Einfahrt für Sportboote. Mit "Warten" ist in diesem Fall das Verweilen an dieser Stelle von 4 Stunden gemeint! Zum Glück können wir die Zeit gut nutzen. Nach und nach trudeln viele Sportboote ein. Die Schleusenkammer ist gut gefällt mit Berufsschifffahrt und Sportbooten.

Unser heutiges Ziel lautet Schilksee – es ist kalt, windig und nass.

03.05.2019, Kiel Schilksee – Ankerplatz bei Ketelby Lindaunis

Gestern haben wir einen Hafentag eingelegt. Das Wetter war einfach zu kalt, windig und naß! Heute aber wollen wir weiter und versuchen in die Schlei zu kommen. Der Wind bläst aus Westnordwest mit Böen bis 8 Beaufort. Wir planen die Strecke bis zur Eckernförder Bucht möglichst dicht an der Küste, unter Abdeckung zu fahren. Dann wollen wir nördlich von „Stoller Grund“ rechts abbiegen  und die Bucht auf kürzestem Wege queren. Auf Höhe von Mittelgrund, wo die Eckernförder Bucht bis 25 Meter tief ist, treffen wir dann auf äußerst unangenehme Kreuzsee – Augen zu und durch! Und das ist teilweise wörtlich zu nehmen, denn es prasseln Hagelschauer auf uns nieder. Ohne Brille hat man keine Chance nach vorne zu schauen!

Unser Kleinster schlägt sich derweil sehr tapfer unter Deck! Eigentlich versuchen wir solche Bedingungen zu vermeiden, denn er soll nicht den Spaß am Tourensegeln verlieren. Aber manchmal lässt es sich eben nicht vermeiden, denn wir müssen weiter. Auf Höhe Damp wird die See deutlich ruhiger. Der Wind hatte noch einmal zugelegt. Wir haben nur die Fock ausgerollt und die auch nur zur Hälfte. In Böen war das schon eindeutig zu viel.

In der Schlei suchen wir uns dann einen Ankerplatz. Das gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht, denn heute kommt es bei dem Wind auf gute Abdeckung an. Das war im Wormshöfter Noor (Bucht bei Maashol) leider nicht gegeben, so dass wir weiterfahren. Vor der Brücke bei Kappeln machen wir ersteinmal provisorisch fest und Piet bekommt ein Eis – hat er sich verdient! Naja, und wir natürlich auch.

Gegen 15 Uhr legen wir dann wieder ab und passieren die Klappbrück von Kappeln. Bei Böen bis knapp 7 Beaufort ist es teilweise auch auf der Schlei ungemütlich. Die Gischt fliegt uns ins Gesicht, was bei Außentemperaturen von 8 Grad auf Dauer echt kalt wird. Eine gute Seemeile vor der Brücke von Lindaunis gehen wir in einer kleinen Bucht vor Anker. Bei so einem Wetter kann es an Bord sehr gemütlich sein – Voraussetzung dafür ist allerdings eine gut funktionierende Heizung. Die läuft bei uns im Grunde seit Tagen durch.

Den Rest des Tage und am Abend kommen immer wieder heftige Regenschauer, teils mit Graupel oder Hagel, begleitet von starken Böen, die unsere Hanna hin und her schwoien lassen. In den Pausen kommt teilweise die Sonne durch und wir nutzen die trockenen Phasen, um in der Plicht zu sitzen und den traumhaften Ausblick zu genießen. In der Nacht nimmt der Wind etwas ab. Wir haben mittlerweile Vertrauen in unser Ankergeschirr, so dass wir eine sorglose Nacht verbringen.

04.05.2019, Ankerplatz bei Ketelby Lindaunis - Fahrdorf

Der Wind ist auch heute sehr kalt, aber die Sonne scheint. Sie hat genug Kraft, so dass wir im Windschatten der Sprayhood in der Plicht frühstücken können – wirklich traumhaft! Gegen 10:20 holen wir erst den Anker hoch. Das ist leider eine ziemliche Sauerei, da die Ankerkette derart voll mit Schlick und Sand ist, dass die Kettenglieder nicht mehr als solche zu erkennen sind. Mit unserem Bordschrupper versuche ich den gröbsten Dreck abzubekommen, während Nicole versucht, den Bug im Wind zu halten.

Die Fahrt durch die Schlei ist wirklich unglaublich schön. Wir müssen uns allerdings recht genau an das Fahrwasser halten, da der Pegel der Schlei durch die westlichen Wind der letzten Tage stark gesunken ist. Das wird dann auch einer Bavaria 38 zum Verhängnis, die unter Vollzeug auf ein Flach gelaufen ist. Wir machen uns auf den Weg zu dem Havaristen und bieten unsere Hilfe an. Sie hatten allerdings schon den SAR gerufen, der sie freischleppen wird.

Gegen halb eins machen wir in dem schönen Hafen des FSC in Fahrdorf fest. Ich mache mich derweil auf den Weg nach Rendsburg, um unser Auto dort abzuholen. Ich fahre mit unserem kleinen Bordroller, dessen Minireifen mir an einer Borsteinkante zum Verhängnis werden. Der Roller kommt schlagartig zum Stehen während der Rest auf Grund seiner „trägen Masse“ seine Geschwindigkeit ungebremst fortsetzt. Ich lande in hohem Bogen auf der Straße. Ich will mir Nichts anmerken lassen und berappel mich umgehend, um mit schmerzverzerrtem Gesicht weiter zu fahren.

Im BYC in Büdelsdorf treffe ich den Hafenmeister des BYC. Er erzählt, dass er noch eine Yacht von der Elbe wegen Probleme slippen musste. Es ist schon merkwürdig in diesem Jahr, weil auch beim uns im SVE viele Schiffe wegen technischer Probleme wieder aus dem Wasser mussten.

Heute bleiben wir noch bei Freunden und fahren dann morgen Vormittag nach Hause.

Es war, trotz der kühlen Temperaturen und des starken Windes mit Regen und Graupel eine tolle Zeit an Bord! Wir freuen uns schon auf die nächste Gelegenheit loszukommen!




Das war wohl nix!

27.04.2019; SVE - Glückstadt (Rendsburg)

Das schöne Wetter über Ostern konnten wir leider nicht nutzen, da wir mit unserem Jüngsten im Krankenhaus in Eppendorf verbringen mussten. Er hatte einen Schlag auf sein linkes Auge bekommen, so dass er stationär behandelt werden musste.

Die Aussichten für dieses Wochenende sind zwar nicht so berauschend, aber wir wollen trotzdem los. Samstag gegen 8 Uhr klarieren wir unser Schiff und bereiten Alles fürs Ablegen vor. Ein Vereinskamerad hat sein selbstgebautes Holzschiff „Optimist“ aus Altersgründen verkauft – ein wunderhübsches Boot. Wir können unserem Vereinskameraden seine Wehmut anmerken. Die neuen Eigner bringen ihr neues Schiff in die Boddengewässer am Darß und werden hinter uns herfahren, da heute wenig Wasser kommt und beim Befahren der Krückau Vorsicht geboten ist.

Wir müssen gleich zu Anfang Alles aus der Maschine herausholen, um aus dem Schlick zu kommen. Das Wetter ist noch sehr angenehm – die Sonne scheint und es ist mild. Uns kommt die Idee, heute schon in den Kanal zu fahren denn es sind ideale Bedingungen. Wir kommen mit ablaufendem Wasser und seitlichen Winden gut voran. Vor der Schleuse in Brunsbüttel müssen wir auch nur ca. 20 Minuten warten. Wir schleusen mit 5 anderen Sportbooten, darunter auch der „Optimist“. Auf dem Kanal setzen wir uns zügig vom auslaufenden Geschwader ab. Wir haben den Eindruck, dass sich die Revision unserer Wellenanlage positiv auf die Geschwindigkeit bei Marschfahrt auswirkt. Wir schätzen 0,2 Knoten – eigentlich zu schön um wahr zu sein! Leider sollte sich unsere Skepsis nicht unbegründet bleiben! Bei meinem routinemäßigen Blick durch die geöffnete Luke in der Plicht auf die Wellenanlage bekomme ich einen Riesenschreck! Rechts und links der Gleitringdichtung sammelt sich schwarze Masse, wir vermuten Schlick. Außerdem stellen wir fest, dass sich der Gleitring um mindestens 4 mm abschliffen hat, und das auch noch schräg! Unglaublich! Der Abtrag war derart weit fortgeschritten, das der Querschnitt für den radialen Anschluss für den Entlüftungsschlauch droht, freigeschliffen zu werden. Dadurch hätten wir eine zusätzliche, schwer zu beherrschende Undichtigkeit.

Wir nehmen ersteimal Fahrt aus dem Schiff. Die Sportboote, die wir eben noch hochmütig hinter uns gelassen hatten, überholen uns nach und nach. Einige bieten ihre Hilfe an - sehr nett! Aber mit der Situation müssen wir ersteinmal alleine klar kommen.

Wir versuchen zu analysieren, was zu diesem krassen Abrieb führen konnte. Fakt ist: Dadurch, dass wir beim uns im Hafen im Schnitt zwei Mal täglich im Schlick liegen, steht dieser von innen an den Dichtflächen der Gleitringdichtung an. Schlick ist eigentlich ein ideales Schleifmittel, gerade in Verbindung mit Wasser. Das war uns schon bewusst, aber wir hätten im Leben nicht mit einem derart starken Abrieb gerechnet! Wir haben mit der Dichtung höchsten 20 Stunden motort!

Mit den gewonnen Erkenntnissen mache ich mich an die Arbeit, um die Schlickreste aus der Dichtung zu spülen. Ich nehmen dafür unsere Tauchpumpe und fördere Kanalwasser aus einem Eimer durch den Entlüftungsschlauch in die Dichtung. Die erhoffte Wirkung stellt sich leider nicht ein. Dann greife ich zu radikaleren Methoden und schiebe den Gleitring nach hinten, so dass Wasser durch den entstehenden Spalt strömt. Es ist schon beeindrucken, wieviel Wasser durch so einen kleinen Spalt rauscht! Aber die Maßnahme ist schließlich von Erfolg gekrönt: Der Schlick wird vollständig weggespült und sammelt sich in der Bilge – eine schöne Sauerei! Die schwarze Masse besteht nicht nur aus Schlick, sondern ist auch mit dem Abrieb des Kohlenstoff/Aramid-Ringes der Gleitringdichtung zersetzt. Ein Teufelszeug! Man bekommt es kaum wieder von den Händen!

Wir hatten inzwischen die Fock gesetzt, so dass wir nach dem Auskupplen noch einwenig Restfahrt im Schiff haben und damit manövrierfähig bleiben. Ich mache mich derweil an die Arbeit und versuche das Schiff wieder einigermaßen sauber zu bekommen. Als kleines „Add On“ bekommen wir noch Regen von oben.

Wir sind ca. bei Kilometer 22, und Rendsburg ist bei Kilometer 66, also noch 44 Kilometer motoren. Wird die Dichtung bis dahin halten?

Während wir leicht angespannt unsere Fahrt durch den Kanal fortsetzen, beginnen wir mit der Lösungsfindung für unser Dichtungsproblem. Klar für uns ist: Wir müssen aus dem Wasser und eine andere Dichtung einbauen. Dafür kommt eigentlich nur Rendsburg in Frage. Bis Kiel wollen wir nicht warten.

Gegen 19 Uhr laufen wir in den Obereiderhafen ein und machen am Außensteg des BYC (Büdelsdorfer Yachtclub) fest. Der sehr nette Hafenmeister Delfin begrüßt uns freundlich und wir fragen ihn gleich nach der Möglichkeit, unser Schiff aus dem Wasser zu bekommen. Er sagt sofort, dass es kein Problem sei. Sie verfügen, so wie wir im SVE auch, über eine Slipanlage. Das ist uns gleich sympathisch.

Jetzt setzten wir uns ersteinmal in die Plicht und trinken ein kleines Bierchen/Weinchen. Nicole kocht uns später noch etwas Leckeres. Mal sehen, wie es die nächsten Tage weitergeht und ob wir das Problem zeitnahe in den Griff bekommen.

28.04.2019, BYC (Büdelsdorfer Yachtclub)

Den Vormittag verbringen wir mit der Planung für den Dichtungstausch. Wir machen uns Gedanken, welchen Dichtungstyp wir als nächstes ausprobieren. Schnell sind wir uns einig, welche dieses sein könnte. Natürlich gibt es für uns keine Alternative mehr: Es kann nur die von Peter Horn empfohlene Stopfbuchsdichtung sein (siehe Vortrag von Peter Horn bei unserem diesjährigen Delphin 66-Treffen), zumal wir unsere Alte noch zu Hause liegen haben.

Wir verabreden mit dem Hafenmeister des BYC, dass wir Dienstag Nachmittag gerne aufslippen möchten, natürlich mit gestelltem Mast.

30.04.2019; BYC – Flemhuder See

Um ehrlich zu sein, ich bin schon einwenig nervös. Wird der Tausch der Dichtung so reibungslos vonstatten gehen, wie geplant? Dem Hafenmeister des BYC hatten wir gesagt, dass wir für ca. 1 Stunde aus dem Wasser wollen und dann auch gleich wieder zurück ins Wasser. Denn eigentlich ist das ganze Vorhaben nicht sehr aufwendig: Die Welle von der Kupplung montieren, Schlauchschellen und den rotierenden Metallring der Gleitringdichtung lösen, die Welle nach hinten drücken und die Dichtungskomponenten von der Welle ziehen. Unsere alte Stopfbuchse hatte ich schon gereinigt und komplett vormontiert. Diese muss ich also einfach nur auf die Welle schieben, die Welle mit der Kupplung verschrauben und die Schellen der Dichtung anziehen - soweit die Theorie.

Als der Slipwagen im Wasser ist, machen wir quer, nicht längs (!) auf diesem fest. Die Rungen befinden sich auf unserer Backbordseite. Geslippt wird hier mit quer liegendem Schiff, für uns etwas ungewohnt. Außer dem Hafenmeister stehen noch zwei hilfsbereite Vereinsmitglieder des BYC bereit. Es dauert vielleicht eine viertel Stunde und unsere Hanna „schwebt“ über dem Wasser (siehe Bild). Die Rungen befinden sich hinter dem Schiff. Wir machen uns sofort an die Arbeit. Beim Versuch die radialen Madenschrauben (Stiftschrauben) des rotierenden
Metallringes mit einem Inbussschlüssel zu lösen, „gnubbeln“ dies über. Ich bekomme fast einen Wutanfall! Ich muss diese blöden Madenschrauben losbekommen, sonst können wir gleich wieder abslippen. Muß ich jetzt die Sch…-dinger ausbohren, und das mit dem Akkuschrauber? Wie lange soll der Akku das durchhalten, es sind nämlich zwei Madenschrauben hintereinander verschraubt. Bei meinem Versuch die Schrauben mit einem Bit-Sechskant zu lösen haben ich dann mehr Glück, sie lösen sich und unsere Stimmung erhellt sich leicht!

Dann geht eigentlich Alles ganz schnell. Alle anderen Schrauben lassen sich leicht lösen, ich kann die Welle nach hinten ziehen, die Gleitringdichtung abziehen und die vormontierte Stopfbuchse draufschieben. Wir können unser Glück kaum fassen. Dennoch, das Schadensbild der Gleitringdichtung ist schon niederschmetternd. Nicht nur an der Dichtfläche wurde reichlich Material abgetragen sondern auch an der der Innenfläche der Bohrung. Wir halten fest: Diese Gleitringdichtung ist nicht für tidenabhängige Reviere geeignet, da beim Trockenfallen Schlick von innen an die Dichtflächen gelangt und im Betrieb die Dichtflächen zerstört. Daher auch der Titel diese Beitrages: "Das war wohl nix!"

Nach ca. 30 Minuten geben wir Zeichen, dass wir wieder zu Wasser können. Ein kurzer Testlauf verläuft positiv – unglaublich!!

Jetzt sind wir erst recht motoviert, wir wollen gleich ablegen und weiter fahren. Vorher jedoch sprechen wir dem Hafenmeister und den beiden netten Vereinskameraden unseren verbindlichsten Dank aus. Wir kommen noch ein wenig ins Gespräch und der Hafenmeister Delfin erzählt, dass er viele Jahre zur See gefahren ist und anschließend beim Wasserschifffahrtsamt angestellt "war". Wieso „war“ fragen wir uns. Dann ist er jetzt wohl hauptamtlicher Hafenmeister, den wir auf Anfang 50 geschätzt haben. Als er uns sein Geburtsjahr ’52 nennt, können wir das wirklich kaum glauben!

An dieser Stelle bedanken wir uns nocheinmal für die Hilfsbereitschaft der Mitglieder des BYC und können nur allen Freizeitschippern empfehlen, den BYC einmal anzulaufen. Ein wirklich schöner Hafen, mit neuen Sanitäreinrichtungen. Wir jedenfalls kommen gerne wieder!

Wir entschließen uns, heute noch zum Flemhuder See zu motoren, um dort die Nacht vor Anker zu verbringen. Dort ist es sehr schön und wir können noch bei Sonne in der Plicht sitzen. Weil unser Jüngster wiedereinmal so tapfer durchgehalten hat, pumpe ich noch zu seiner großen Freude das Schlauchboot auf und gehen noch auf Entdeckungstour. Am späten Abend genießen wir die Ruhe und Idylle – endlich!

 

 


Stade – Glückstadt

05.04.2019, SVE - Stade

Kaum zu glauben, aber es ist schon das zweite Mal, dass wir in diesem Jahr mit unserer Hanna loskommen. So früh waren wir noch nie unterwegs!

Unsere Vereinskameraden, mit denen wir eigentlich heute, so wie letztes Wochenende auch, zusammen los wollen, müssen Ihr Motorboot wegen eines defekten Seeventils leider noch einmal auf die Slip nehmen. Wir legen daher gegen 16:30 alleine im SVE ab. Es ist diesig und zugegebenermaßen etwas kalt - könnte auch an meiner kurzen Hose liegen. Das mindert allerdings nicht im geringsten unsere euphorische Stimmung.

Hochwasser in Stade ist ca. 17:18. Wir werden also gegen das ablaufende Wasser in der Schwing nach Stade fahren. Das sollte kein Problem sein, denn die Schwinge ist deutlich tiefer als die Krückau. Den Hafen in Stade kann man mindestens 3 h vor und nach Ebbe anlaufen (jedenfalls mit unserem Tiefgang von 1,2 Metern).

Die Sicht auf der Elbe ist nicht besonders gut. Für das Queren des Hauptfahrwassers sind wir froh, dass wir AIS empfangen können. Tatsächlich ist es dann so, dass von der Elbmündung kommend, ein größeres Schiff mit 12 Knoten unseren Kurs kreuzt. Wir können anhand des AIS-Signals auf unserem Plotter beobachten, wie das Schiff seine Fahrt auf ca. 7 Knoten und dann nocheinmal auf  ca. 4 Knoten absenkt. Die Silhouette des Schiffes ist bereits zu erahnen, dennoch schätzen wir die Situation so ein, dass wir die Elbe von Pagensand Südspitze kommend queren können. Während unserer Fahrt durch das Hauptfahrwasser stoppt das Schiff dann sogar komplett auf.

Wir haben schon längst ablaufendes Wasser, als wir in die Schwinge hineinfahren. Die Häfen sind alle noch ohne Stege - ein ungewohnter Anblick! An der Autobrücke  müssen wir nicht lange warten, so dass wir zügig zum Stadthafen von Stade kommen. Hier sind wir aber nicht die Einzigen: An dem Schwimmsteg liegen bereits drei Segelschiffe und drei Motorboote. Es ist aber noch genug Platz für uns, so dass wir ganz entspannt längsseits festmachen können. Natürlich gibt es jetzt erst einmal einen "Anleger". Wir sitzen in der Plicht und genießen die Stimmung. Piet ist an Land - natürlich mit Schwimmweste.

Etwas später gehen wir dann in den Kino-Komplex direkt am Hafen und essen Burger - echt lecker und nicht teuer! Dazu frischgezapftes Duckstein - das passt!

06.04.2019, Stade - Glückstadt

Heute ist Früh-Aufstehen angesagt, denn Hochwasser in Stade ist schon gegen halb sechs. Gut zwei Stunden später, gegen, halb acht legen wir ab und Motoren die Schwinge entlang und dann elbabwärts Richtung Glückstadt  - eine tolle Morgenstimmung!

Ein gutes Stück vor der Hafeneinfahrt legen wir uns gegenüber von der Rhinplatte vor Anker. Dort liegt bereits eine anderes Segelschiff auch vor Anker. Wir genießen das herrliche Wetter - es wird richtig warm, unfassbar!

Am Nachmittag entscheiden wir uns, noch ein bisschen zu segeln. wir bereiten Alles vor und lichten gegen 15:30 den Anker bei teilweise ausgerollter Fock, dann ziehen wir auch das Großsegel hoch. Ideale Segelbedingungen: Ostwind (also Wind von der Seite), es ist warm und die Sonne scheint. Wir machen teilweise 6 Knoten Fahrt durchs Wasser - ein Traum!

Nach einer knappen Stunde bergen wir die Segel und Motoren in den Glückstädter Außenhafen. Die Stege werden gerade ausgebracht. Wir legen uns ganz hinten bei beim Sperrwerk an den Gästesteg, an dem bereits 9 Schiffe festgemacht haben. An dieser Stelle ist es nicht besonders tief. Bei Ebbe fallen wir zwar nicht trocken, aber der Kiel der Hanna wir später im Schlick stecken.

Wir genießen die Sonne und genießen einen "Anleger". Abends sitzen wir bei Freunden an Bord, die Ende letzter Woche ihr Schiff ins Wasser gebracht haben.

07.04.2019, Glückstadt - SVE

Ein wunderschöner Morgen, die Sonne scheint wieder einmal. Es ist ablaufendes Wasser und gegen 12:20 ist Niedrigwasser in Glückstadt. Die Echolote "spinnen", das bedeutet, wir sitzen im Schlick. Das ist aber nicht weiter tragisch, wir haben ja Zeit.

Mit einsetzender Flut, teilweise auch schon vorher, machen sich einige Segler auf den Weg. Auch wir brechen gegen 12:45 auf. Wir motoren dann mit auflaufendem Wasser bis zur Krückaumündung und legen uns dort vor Anker. Dabei achten wir darauf, dass wir nicht im Sperrgebiet landen. Das erweist sich dann später als "weise Voraussicht": Gegen 14:15 nähert sich elbaufwärts ein Polizeiboot. Wir können beobachten, wie dieses dann ca. auf Höhe von Kollmar aufstoppt, und den am Heck befindlichen Kran ausfährt, woran ein Schlauchboot hängt. Das Schlauchboot wird herabgelassen und Beamte klettern an Bord und nehmen Kurs auf uns. Wir schauen uns etwas ungläubig an. Wir sind uns sicher, dass die zu uns wollen. Wir kontrollieren noch einmal unsere Position, ob wir nicht doch im Sperrgebiet sind - aber Alles gut, wir sind gerade auf der Grenze. Dann bekommen wir einen Schreck: Haben wir eigentlich unserer Scheine dabei? Ich haste unter Deck und werden glücklicherweise sofort fündig! Wir warten das weitere Geschehen ab. Das Schlauchboot hält immer noch Kurs auf uns und das Polizeischiff folgt. Gerade als wir uns restlos sicher sind, dass wir Besuch bekommen, dreht das Schlauchboot ab und fährt an unserer Backborseite elbaufwärts vorbei. Komisches Manöver, denken wir.

Am frühen Nachmittag starten wir dann den Motor und holen den Anker hoch, um in die Krückau bis zum SVE zu motoren. Wir sind sehr früh dran, so dass wir nach der Einfahrt in unseren Hafen stecken bleiben. Ca. 15 Minuten später können wir mit Motorkraft auf unseren Platz "rutschen".

Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir dieses herrliche Wetter auf unserem Schiff verbringen konnten.

 





 

Doch noch losgekommen!

30.03.2019, SVE (Elmshorn) - Glückstadt

Was für ein schöner Tag: Die Sonne scheint und die Temperaturen reichen für kurze Hosen! Es soll sogar noch bis 17 °C warm werden! Genau das richtige Wetter zum Einleiten der Segelsaison. Die Sache hat leider einen Haken: Wir haben Nipp-Tide und das Hochwasser wird rund 0,5 Meter unterhalb des mittleren Hochwasser ausfallen. Ehrlich gesagt rechnen wir nicht damit loszukommen, als wir gegen 8:30 Uhr auf das Vereinsgelände des SVE fahren . Vereinskameraden von uns wollen mit ihrem Motorboot eigentlich ebenfalls in die Saison starten, so dass wir geplant haben, zusammen zu fahren.

Wir kaufen noch schnell bei unserem nahegelegen Netto etwas zum Frühstücken ein. Als wir zurück beim Boot sind, wollen wir versuchen vom Platz zu kommen. Um 09:27 starten wir den Motor. Unsere Referenzmarke (der untere Bogen der Führungsstange für den Festmacherring) ist leider noch nicht erreicht. Wir legen trotzdem den Rückwärtsgang und bewegen uns ein Stück rückwärts, bleiben dann aber auch schon stecken. Das Ruder läßt sich nur mit großem Widerstand bewegen. Wir legen wieder den Vorwärtsgang ein, dann erneut den Rückwärtsgang. Mit Schwung überwinden wir den Schlickberg hinter dem Heck. Die Boxengasse ist deutlich tiefer, so dass wir dort den Bug in Richtung Hafeneinfahrt drehen und auf die Krückau fahren können. Unsere Vereinskameraden sind kurz vor uns aus der Box gekommen und warten ein Stück hinter der Hafeneinfahrt auf uns.

Den ersten Teil der Krückau, den wir befahren, ist auf Grund des wenigen Wassers am schwierigsten für uns. Wir müssen genau den Priel treffen, um uns nicht festzufahren. Der Priel verläuft üblicherweise immer in der Außenkurve - das muss man wissen, dann läuft man nicht Gefahr, sich fest zu fahren. Und, je weiter wir uns der Krückaumündung nähern, desto tiefer wird die Krückau.

Es ist unglaublich schön, die Natur zu genießen. Die Bäume sind zwar überwiegend noch kahl, aber es gibt hier und da erste Anzeichen für den Frühling.

Als wir auf der Elbe sind, frühstücken wir während der Fahrt. Wir passieren Kollmar und Bielenberg - dort ist schon Leben und einige Wohnmobile stehen dort bereits. Wir sichten sogar einen Seehund zwischen Kollmar und Bielenberg.

Zu unserer Verwunderung sind sogar schon die Tonnen ausgebracht. Wir meinen uns zu erinnern, dass dies letztes Jahr nicht der Fall war.

Gegen 11:45 laufen wir in den Hafen von Glückstadt ein. Da die Stege noch nicht ausgebracht sind, machen wir am Gästesteg auf der nördlichen Seite fest. Hier gibt es seit letzter Saison auch Strom (aber kein Wasser). Wir sind die einzigen beiden Freizeit-Schiffe im Außenhafen. Erst am Nachmittag kommt noch eine H-Jolle aus Wedel unter Segeln eingelaufen. Das Pärchen will hier auch übernachten - ohne Heizung!

Es ist wirklich traumhaft: Die Sonne scheint und es ist unglaublich warm für diese Jahreszeit. Wir gehen zu Fuß in die Stadt und treffen uns anschließend mit unseren Vereinskameraden im "Molenkieker" am Glückstäter Außenhafen. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Elbe.

Als wir zurück an Bord sind, kommt auch schon der Hafenmeister und wir bezahlen 10 EURO Hafengeld. Wir sprechen ihn auf seine Rundreise um die Ostsee im vergangen Jahr an. Es soll unglaublich schön gewesen sein, insbesondere die Finnischen Scheren. Außerdem erfahren wir, dass die Stege nächstes Wochenende ausgebracht werden sollen.

Abends kehren wir wieder in den "Molenkieker" ein und essen Currywurst mit Pommes. Hier treffen wir auch den Hafenmeister mit seiner Frau wieder und setzen uns zu ihnen.

Letztendlich ist der Tag wieder viel zu schnell zu Ende.

31.03.2019, Glückstadt - SVE

Heute ist es deutlich kühler als gestern, so dass wir für die Rückfahrt warme Jacken anziehen. Gegen 10:30 (Zeitumstellung schon berücksichtigt) legen wir in Glückstadt gemeinsam ab. Kurz vorher binden die beiden H-Jollensegler ihre Boot los und legen ab - beeindruckend!

Das Morgenhochwasser läuft heute etwas höher auf, so dass wir problemlos auf unseren Platz in unserem Heimathafen kommen.

Da der Motor schön warm ist, machen wir gleich einen Ölwechsel.

Wir sind unglaublich froh, dass wir losgekommen sind - ein toller Start in die Saison!

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Endlich wieder im Wasser!

22.03.2019 - SVE

Wir haben Urlaub und können heute Morgen die letzten Vorbereitungen für das Abslippen treffen. Dazu gehören so banale Dinge, wie das Wegstellen der Leiter oder das Abkoppeln vom Strom. In der Hektik kann man das schon einmal vergessen.

Unser Nachbar an Backbord kann erst morgen Nachmittag ins Wasser, so dass wir uns aus der "Lücke stehlen", in dem wir die Hanna auf ihrem Wagen schräg durch die Lücke zwischen den Schiffen manövrieren. Wir gewinnen dadurch viel Zeit und können den Rest des Wochenendes nutzen, um das Rigg einzustellen usw.

Um den Hallenboden nicht zu beschädigen, tauschen wir die Schienenräder unseres Slipwagens gegen die breiten Räder, die normalterweise zum Querversetzen des Wagens da sind. Die Schienenräder haben einen sehr dünnen Rand und würden den Beton des Hallenbodens beschädigen. Die Räder für das Querversetzen haben keinen Rand und die Kontaktfläche zum Boden ist deutlich breiter. Unser Slipwagen bietet den Vorteil, dass wir die Räder umbauen können.

Obwohl so ein Delphin 66 um die 6 Tonnen wiegt, schaffen es Nicole, ein Vereinskamerad und ich die Hanna innerhalb einer knappen Stunde auf die Schienen zu setzen und vor die Halle zu schieben - ich finde das immer wieder faszinierend!

Da erst heute Nachmittag gegen 17 Uhr Hochwasser ist, können wir den Mast aus dem Mastenlager holen und am Mastenkran vorbereiten. Das Vorbereiten des Mastes nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch, da wir das stehende Gut für das Einwintern jedes Mal komplett abschlagen und für die Saison wieder anschlagen. Außerdem umwickeln wir die elektrischen Steckerverbindungen (Windgeber, Antennenkabel) mit selbstverschweißenden Isolierband, um gegen Regenwasser abzudichten. Bei der Montage des Windex und des Windgebers ist darauf zu achten, dass die Windfahnen nicht kollidieren können.

Am Ende ist Alles rechtzeitig vor Hochwasser fertig und wir helfen können in Ruhe slippen. Gleich im Anschluss setzen wir noch den Mast. Dank hilfsbereiter Vereinskameraden sind wir schnell fertig und können auf unseren Platz fahren.

Die Sonne scheint, es ist sogar recht warm und die Vorfreude auf die bevorstehende Saison ist riesig!

 

 

 

Erneuerung der Wellenanlage

 Winterlager 2018/2019

Unsere Wellenanlage besteht aus einem festen, zweiflügeligem Propeller, einer Welle mit Durchmesser ø25 mm, einer klassischen Stopfbuchsdichtung und einer elastischen Kupplung.

Wir haben, insbesondere in der letzten Saison, ein zunehmendes, rhythmisches Klopfen beim Betrieb unseres Yanmar 3GM30 wahrgenommen. Als das Schiff am Ende der Segelsaison in der Halle steht, stellen wir fest, dass die Welle recht viel Spiel im Sitz des Gummilager aufweist. Das gefällt uns einfach nicht. Außerdem gefällt uns das ständige Tropfen durch die Stopfbuchsdichtung überhaupt nicht - wir hätten gerne eine trockene Bilge!

Ich mache mich erst einmal an die Demontage der Wellenanlage, dann sehen wir weiter. Die ersten Schritte, das Lösen der Kupplung vom Getriebeflansch und das Losschrauben der Stopfbuchsbrille, gehen schnell von der Hand. Doch mein Elan wird dann bei dem Versuch, die Kupplung von der Welle zu ziehen, jäh gebremst. Die Nabe der Kupplung ist offensichtlich mit wenig Spiel auf der Welle montiert worden. Durch Korrosion sitzt diese nun derart fest auf der Welle, dass ich nur mit einem Abzieher weiter komme. Leider ist für einen standardmäßigen Abzieher viel zu wenig Platz, um diesen zwischen Getriebeflansch und Kupplung zu bekommen. Ich muss also einen Abzieher mit extrem kurzer Spindel beschaffen. Eine Firma in Rellingen kann mir tatsächlich weiterhelfen. Innerhalb von 24 Stunden kann ich den Abzieher mit kurzer Spindel dort abholen - top!!

Hochmotiviert mache ich mich schließlich an die Arbeit. Ich nehme es gleich vorweg: Diese Aktion hat mehrere Stunden gedauert! Und ich hatte als Folge von widrigen Umständen mit Wutanfällen zu kämpfen. Zum einen musste ich die Arbeiten in Zwangshaltung kopfüber ausführen, dabei  mit der Lampe rumhantieren und gleichzeitig eine Schraube als Zwischenstück festhalten und den Abzieher betätigen! Damit die Arme des Abziehers nicht von der Nabe der Kupplung abrutschen, musste ich noch einen Gurt spannen. Und Alles, was ich aus versehen nicht festhalte oder mir aus den Finger gleitet, landet unten in der ca. 80 cm tiefen Bilge. Da ich die Teile dort nur mit einem langen Greifer und viel Geduld wieder herausbekomme, binde ich die Teile an ein Band (siehe schwarze Leine im Bild). Der absolute Alptraum! Schließlich jedoch hatte ich es irgendwie hinbekommen.  Noch Tage danach hatte ich mit den Folgen der ungewohnten Kraftanstrengung, wie Ganzkörper-Muskelkater, zu kämpfen.

Ich schwor mir, dass ich das nie wieder machen werde und ich unbedingt eine Kupplung mit Klemmnabe haben müsste. Wie es der Zufall will, hat ein Vereinskamerad noch eine gebrauchte Kupplung liegen - genau passend für eine Welle mit Durchmesser ø25 mm und den Getriebeflansch (Lochkreisdurchmesser ø78 mm, Zentrierung ø50 mm). Nun brauchen wir nur noch ein neues Gummilager, eine neue Welle und natürlich am liebsten auch eine andere Dichtung - eine, die nicht leckt!

Für die Beschaffung der neuen Komponenten, vermesse ich zunächst die vorhandenen Wellenanlage (siehe Zeichnung). Dann schauen wir uns um, wo wir  eine neue Welle herbekommen. Die Standardwellen vom Bootszubehör sind sehr teuer und außerdem passt der Kegelsitz nicht zu unserem vorhandenen Propeller, den ich auch vermessen hatte. Unsere Recherche nach einem geeigneten Lieferanten für einen Rundstahl, mit dem Durchmesser ø25 h9 und einer Länge von 1,15 m war zeitraubend und ernüchternd. Entweder hatten sie das Material gar nicht oder wenn, dann nur in 3 oder 6m Längen. Wir haben uns für Edelstahl mit der Werkstoff-Nr. 1.4305 entschieden, da wir die Welle in Eigenregie drehen/fräsen wollen (Kegelsitz mit Gewinde, sowie Gewindefreistich und Fräsen der Nut für die Passfeder) und sich das Material gut zerspanen lässt. Die Firma "Koch und Krupitzer" aus Schenefeld bei Hamburg, wo unsere "Altvorderen" ihre Schiffswellen bezogen haben, gibt es seit 2016 nicht mehr. Über das Internet konnte ich schließlich eine Firma bei Berlin ausfindig machen, die uns die Welle, abgelängt auf Fertigmaß, zuschicken konnte. Das ganze für bummelig 77 EUR inklusive Versand - das paßt!

Das Gummilager hatte unser Segelmacher des Vertrauens (Fa. Bohnsegel) zufällig im Regal liegen - unfassbar! Jetzt fehlt nur noch eine Dichtung.

Wir erkundigen uns nach Alternativen zur Stopfbuchsdichtung, wie z. B. Gleitringdichtung oder Simmerring usw. - ganz entgegen den ebenso dringenden wie nachvollziehbaren Empfehlungen von Peter Horn (siehe Bericht vom Wintertreffen der Delphin-66-Liebhaber 2019) Wir entscheiden uns mit schlechtem Gewissen für eine Gleitringdichtung, weil wir den Gedanken einer trockenen Bilge einfach nicht aus dem Kopf bekommen. Außerdem soll sie auch wartungsfrei sein.

Unsere Wahl fällt auf folgende PSS-Gleitringdichtung:Das "PSS" steht für "Packless Sealing System", also eine Dichtung ohne Packungsringe, wie bei einer Stopfbuchse. Das besondere bei der Gleitringdichtung ist, dass das eigentliche Dichten zwischen zwei Ringen bzw. Flanschen stattfindet. Der erste Ring/Flansch ist feststehend (Pos. 5) und ist flexibel über den Gummibalg (Pos. 4) mit dem feststehenden Stevenrohr (Pos. 2) verbunden. Dieser feststehende Ring/Flansch ist aus Carbon/Grafit und hat an der (im Bild rechten) Strinfläche eine spiegelglatte Oberfläche. Dagegen läuft der Edelstahlrotor (Pos. 6), der auf der rotierenden Welle (Pos. 1) montiert ist. Zwischen diesen beiden Teilen, dem feststehenden Ring/Flansch (Pos. 5) und dem rotierenden Edelstahlrotor (Pos. 6) findet das Dichten statt. Der Gummibalg (Pos. 4) sorgt für  eine flexible Lagerung des Ringes/Flansches (Pos. 5) und gleicht damit Unrundheiten aus. Ausserdem sorgt er für den notwendigen Anpresskraft zwischen Ring/Flansch (Pos. 5) und dem rotierenden Edelstahlrotor (Pos. 6). An die Schlauchtülle (Pos. 9) wird ein Schlauch ø10mm angeschlossen und das Ende möglichst weit über die Wasserlinie geführt. Über diesen Schlauch wird die Gleitringdichtung entlüftet, so dass an den Flächen zwischen dem feststehenden Ring/Flansch (Pos. 5) und dem rotierenden Edelstahlrotor (Pos. 6) immer Wasser ansteht, so dass ausreichend gekühlt und geschmiert wird. Der Edelstahlrotor (Pos. 6) dichtet mit zwei innenliegenden O-Ringen (Pos. 8) auf der Welle (Pos. 1) ab. Der Edelstahlrotor (Pos. 6) ist mit 2 x 2, hintereinander (!!) geschraubten, Madenschrauben (Pos. 7) auf der Welle (Pos. 1) fixiert.

Nachdem wir nun wissen, welche Komponenten wir für unsere Wellenanlage verwenden wollen, machen wir uns an die Arbeit. Nachdem ich die Kupplung von der Welle herunter hatte, konnte ich diese aus dem Stevenrohr ziehen. Natürlich musste ich vorher das Ruderblatt ausbauen. Bei näherer Betrachtung der Welle sind deutliche Einlaufspuren (bis 0,4 mm) im Bereich des Gummilagers und der Stopfbuchsringe zu erkennen. Es war also die richtige Entscheidung, auch die Welle zu erneuern.

Den Propeller bekomme ich dann auch recht einfach von seinem Kegelsitz gezogen.

Als nächstes musste das Gummilager raus. Dieses besteht aus einer Messing- oder Bronzebuchse, in die das eigentliche Gummilager geklebt ist. Bei unserem Schiff sitzt dieses Lager in einem Art außenliegenden Flansch, ebenfalls aus Messing oder Bronze. Das alte Lager herauszubekommen war nicht gerade einfach, da es keine Möglichkeit gibt, von außen, hinter die Buchse zu gelangen, um diese dann herauszuziehen. Bernd Meusel ("Joker" - Baunummer 20) gab uns den wertvollen Tip, die Buchse in Längsrichtung aufzusägen und dann nach innen zu biegen. Das schwierige hierbei war nur, nicht zu tief zu
sägen, denn der Übergang von der Buchse zum Lager war auf Grund des gleichen Werkstoffs nicht zu erkennen. Als schließlich das alte Lager draußen war, habe ich die Flächen mit feinem Schleifpapier sauber gemacht und das neue Gummilager auf die passende Länge gekürzt. Dann konnte ich es mit der Handfläche, ohne es zu verkanten, in das Lager drücken. Zusätzlich habe ich das Gummilager mit zwei radial eingeschraubten Gewindestiften (M5 x 5 mm in 90° und 270° ) gegen Verdrehen gesichert. Die Gewindestifte habe ich dann mit Gewindekleber eingeschraubt.

Die Dichtung zwischen Flansch und Schiffsrumpf musste ebenfalls erneuert werden. Daher habe ich eine 3 mm breite und 3 mm tiefe Nut um den Flansch herum gefräst und dann mit Sikaflex verfüllt (Links im Bild die aufgebrachte Dichtmasse).

Nachdem wir dann alle Teile zusammen hatten, konnte ich das Ganze zusammenbauen. Das ging wirklich sehr zügig vonstatten; die Teile passten perfekt zusammen. Die radialen Gewindestifte zur Fixierung des Edelstahlrotors der Gleitringdichtung auf der Welle, habe ich ebenfalls mit Gewindekleber eingesetzt (hier aber nur jeweils den zweiten Gewindestift). Wichtig bei der Montage der Gleitringdichtung ist, für das Raufschieben des Edelstahlrotors auf die Welle, aufgrund  von Unverträglichkeit der innen-liegenden O-Ringdichtungen des Edelstahlrotors, KEIN Öl oder Fett zu verwenden. Stattdessen empfiehlt der Hersteller zur besseren Schmierung Spülmittel.

Das Ergebnis der ganzen Umbau-Aktion im Bild rechts und als Vorher-/Nachher-Vergleich:

Den Schlauch für die Entlüftung habe ich mittlerweile auch montiert.

Zum Schluss sei angemerkt: "Hochmut kommt vor dem Fall." Wird sich unser besserwisserisches Verhalten bezüglich der Gleitringdichtung bitter rächen? Uns liegen die mahnenden Wort von Peter Horn vom Wintertreffen vor ein paar Wochen noch in den Ohren. Wir sind uns bewusst, das es sich bei unserem Vorhaben wohl um ein kleines Experiment handelt.  Wir sind mehr als gespannt, ob die Gleitringdichtung den widrigen Betriebsbedingungen  (Trockenfallen, Sedimenten/Schlick im Wasser usw.) standhalten wird. Wir werden berichten!

Nicole und Axel ("Hanna" - Baunummer 9)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gasheizung: Beseitigung der Lüftergeräusche

Januar 2019

Unsere Standheizung, eine Trumatic E 2800, haben wir häufig in der Vor- und Nebensaison in Gebrauch. Leider macht sie im Betrieb sehr unangenehme Geräusche - ein schnelles, tickendes Schleifen. Wir vermuten, dass es der Lüfter ist.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, baue ich die Standheizung aus und nehme sie mit nach Hause. Dafür klemme ich sie von der Steuerung (siehe Bild) ab und demontiere die Schläuche und Leitungen von der Heizung. Dass geht wider Erwarten recht zügig vonstatten.

Zu Hause demontiere ich dann das Gehäuse, was sich auf Grund der teilweise stark korrodierten Schrauben schwieriger gestaltet. Nach einer ersten Begutachtung stelle ich leichte Korrosion an einer Stelle des Lüftergehäusbleches fest. Durch Volumenzunahme des Bleches infolge Korrosion, ist offensichtlich das Spaltmaß vom äußeren Lüfterrad unterschritten. Das Gebläse besteht aus zwei Lüfterrädern, die auf derselben Antriebswelle sitzen. Abgebildet ist das innere Lüfterrad, das nicht schleift. Ich demontiere das Gebläse und entferne den Rost am Gehäuseblech. Nach der Remontage teste ich das Gebläse, in dem ich (mit einem Trafo von Lego) an den Motor 12 V anklemme. Das schleifende Geräusch ist nicht mehr zu hören. Allerdings warte ich noch einwenig mit dem Freuen, denn ich will erst einen Testlauf im eingebauten Zustand machen.

Der Einbau der Heizung ist schnell gemacht und auch das Anschließen der Schläuche sowie der Elektrik ist schnell erledigt. Ich starte umgehend mit dem Testlauf. Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend. Die Heizung läuft ohne das nervige Schleifen des Lüfterrades! Ein wunderschönes Gefühl, wieder eine kleine Baustelle in Angriff genommen zu haben!

 

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Abdichten des Lüfteraufbaus

Schon seit längerem nervte uns eine Undichtigkeit, irgendwo am Aufbau des Lüfters in unserer Nasszelle. Unsere erste Vermutung war, dass das Wasser durch die Schrauben (s. Bild) kommen würde. Die haben wir deshalb letzte Saison neu eingedichtet und mit Gummischeiben versehen. Trotzdem kamen irgendwo Tropfen was Wasser hindurch.

Heute machen wir uns an die Abdichtung zwischen dem domartigen Aufbau des Lüfters und dem Schiffsdeck.

Als erste Maßnahme entfernen wir mit einem Teppichmesser die alte Dichtmasse. Dabei ist Vorsicht geboten, denn leicht rutscht man dabei ab und beschädigt das Holz. Im zweiten Schritt fräsen wir mit dem Multiwerkzeug eine ca. 3 mm breite und tiefe Nut rund um den Domaufbau. Dadurch kann mehr Dichtmasse eingebracht werden und das Material kann hierdurch besser Ausdehnungen ausgleichen. Als nächstes kleben wir den Rand ab und können nun die Nut mit Sikaflex verfüllen. Gleich im Anschluss kommt das Dichtband wieder ab.

 

 

 

 

So sieht das Ergebnis aus:

Wir hoffen, dass wir mit dieser Maßnahme das Problem mit der Nässe beheben konnten.

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Baunummer 44 VERKAUFT!!

Bei dem Delphin handelt es sich um die Kielversion mit 10 cm erhöhtem Freibord.

Die PaMaSoTo hat einen neuen Eigner gefunden (April 2019)!

Neuer Preis!! Verhandlungsbasis: 12.500 €

(Herr Schröder, Tel. 040 / 7325312 oder 0176 / 51214731)

Hier geht es zum Steckbrief:

http://breuer.selfhost.de/wordpress/delphine/baunummer-44/

Unser Wintertreffen 2019! – Ein Bericht

Samstag, 09. Februar 2019

Schon wieder ist ein ganzes Jahr um. Heute findet unser drittes Treffen der Delphin-66-Liebhaber statt. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Gleichgesinnten und auch auf neue Bekanntschaften.

Das Zurechtrücken der Stühle und Tische sowie das Eindecken derselben ist schon fast Routine. Wie wir gestern bei der Jahreshauptversammlung unseres Vereins SVE erfuhren, wurde im Vereinsraum ein Beamer installiert. Wir sind begeistert, denn wir brauchen nur unseren Laptop anschließen und über eine Fernbedienung den an der Decke des Raumes montierten Beamer einschalten – es funktioniert sofort, das macht Spaß!

Kurz nach 14 Uhr kommen die ersten Gäste. Das Kuchenbuffet wird aufgebaut, Kaffee gekocht, es werden Milchkännchen befüllt, kalte Getränken bereitgestellt und Anschauungsobjekte präpariert – Alle Arbeiten Hand in Hand - und auch das macht richtig Spaß! Der Raum füllt sich zunehmends und es werden bereits rege Unterhaltungen geführt. Insbesondere werden die mitgebrachten Exponate eingehend begutachtet und besprochen. Netterweise hat uns die Crew der Baunummer 1 ("Pina") Fragmente (das Blech sieht aus wie Blätterteig) ihrer Püttinge und der dazugehörigen Schrauben/Muttern per Post zugeschickt.

Nur sehr ungern unterbrechen wir die angeregten Unterhaltungen, aber wir müssen mit unserem Programm beginnen, sonst wird es zu spät. Wir starten mit unserer mittlerweile obligatorischen Vorstellrunde, denn wir haben auch dieses Jahr einige Neuzugänge. Außerdem haben wir dieses Mal auch Gäste von der Fraktion der Bianca-27-Liebhaber, zu denen wir früher auch einmal gehörten.

Da die Zeit schon recht weit vorangeschritten ist, eröffnen wir nach der Vorstellrunde und vor dem ersten Vortrag das Kuchenbuffet, welches auch in diesem Jahr mit unglaublich leckeren Torten, Kuchen und Keksen bestückt ist. Sodann starten wir mit dem Vortrag von Peter Horn zum Thema „Wellendichtung - Stopfbuchse oder Gleitringdichtung?“. Anhand einer mit seinem Sohn hervorragend ausgearbeiteten Powerpoint-Präsentation räumt Peter alle Zweifel bei der Wahl der richtigen Dichtung beiseite. Es kann nur die eine geben: Die Stopfbuchse! Als Zuhörer merkt man sofort, dass Peter Horn auch in diesem Thema ein Experte ist. Als Maschinenbauingenieur a. D. hatte er beruflich mit Dichtungen dieser Art zu tun. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus weiß ich, dass dieses ein sehr komplexes Thema ist. Als Kontraindikation für Gleitringdichtungen benennt Peter Horn u. a. folgende Aspekte:

  • die Erschütterungen des flexibel gelagerten Motors
  • die im Wasser befindlichen Sedimente gefährden die Oberflächen der Dichtringe
  • die in der Freizeitschifferei üblichen, geringen Betriebsstunden - überwiegend nicht rotierend
  • Reparatur vor Ort kaum möglich.

Auch von dem Einsatz einer Lippendichtung (Simmerring) rät Peter ab, da die Welle im Bereich der Dichtung einläuft und zur Leckage führt.

Als nächstes berichten Kerstin und Jochen von ihrer, wie sie selber sagen "Baustelle", die sie sich vor gut einem Jahr angeschafft haben. Die beiden präsentieren uns mit eindrucksvollen Bildern, durch  welche Höhen und Tiefen sie bereits gegangen sind: Ob es die fast völlig wegkorrodierten Püttinge sind, oder der durch anärobe Korrosion durchlöcherte Dieseltank – den Beiden gebührt jeglicher Respekt für ihr Durchaltevermögen! Dankenswerterweise haben sie ein paar Stücke zum Anfassen mitgebracht: So z. B. die Überbleibsel der Püttingeisen, den Dieseltank aus V4A (!!) mit Lochfraß oder die im Bereich der Dichtung völlig eingelaufene Welle. Auch dieser Beitrag wird von uns Zuhörern mit großem Applaus gewürdigt.

Als nächstes wechseln wir die Technik und bauen vom modernen Beamer um, auf Super -8-Filmprojektor. Hans Kather zeigt uns u. a. Aufnahmen von seinem Törn nach Helgoland, den er vor ca. 30 Jahren mit einem damaligen Angestellten zusammen gemacht hat. Die Unternehmung war offensichtlich von viel Wind, großen Wellen und eisiger Kälte geprägt. Zur Belustigung der Zuschauer wurden anstatt der Schwimmweste lieber dicke Lederfäustlinge mit Fell getragen.

Ein ganz anderes Thema hat der darauf folgende Beitrag von Claus Peukert aus dem ostfriesischen Varel zum Inhalt. Er macht uns im wahrsten Sinne des Wortes Appetit darauf, Ostfriesland einmal mit unseren Schiffen anzulaufen. Mit spürbarer Begeisterung für seine Wahlheimat Ostfriesland entführt uns der gebürtige Hamburger in die Welt des ostfriesischen Tees und zeigt uns mit seiner sympathischen Art die Zubereitung dieses traditionsbehafteten Getränkes. Hierfür hat er extra Wasser aus seiner Region mitgebracht, da unser hiesiges Wasser zu hart ist, also zu viel Kalk enthält. Weder Kluntjes (Kandiszucker) noch flüssige Sahne dürfen bei der Zubereitung fehlen. Der Teelöffel ausschließlich zum Einlassen der flüssigen Sahne am Tassenrand – die Sahne wird keinesfalls damit umgerührt! Nach dem Verzehr und zum Zeichen, dass man keinen Nachschank mehr möchte, wird der Löffel in die Tasse gestellt. Im Anschluss an die Vorführung durften wir den soeben zubereiteten Tee aus extra dafür mitgebrachten ostfriesischen Teetassen verköstigen – ein Erlebnis!

Mittlerweile ist es schon Abend und Kay von Eitzen startet mit seinem Beitrag. Kay ist extra aus Flensburg angereist und hat sogar ein Modell eines Stahl-Delphins
mitgebracht; sehr im Interesse von Stefan Eller, der die Stahl-Delphin-Liebhaber unter seinen Fittichen hat (http://www.stahl-delphin.de/). Stefan hat seinen ca. 70 Jahre alten Delphin mit eigenen Händen zu einem echten Schmuckstück gemacht. Kay wiederum organisiert regelmäßige Treffen für die Bianca 27-Liebhaber (www.bianca27.net), die sowohl im Winter als auch im Sommer stattfinden. Da weitaus mehr Biancas (um die 600) als Delphine (um die 60) gebaut wurden, ist die Fangemeinde entsprechend größer, als die der Delphine.

In seinem  Vortrag geht Kay zunächst auf das Modell des Stahl-Delphins ein, dass er von einem guten Freund überlassen bekommen hat. Anschließend berichtet Kay, wie er zu seinem Schiff, der „Holnis“, gekommen ist. Kay, der zugleich 1. Vorsitzender des Flensburger Yacht Clubs ist, ist ein routinierter Redner und veranschaulicht uns anhand von faszinierenden Bildern, wie er mit eigenen Händen aus seiner „Holnis“ eine Perle der Flensburger Förde geschaffen hat.

Die Vortragenden haben sich viel Mühe bei der Vorbereitung ihrer Beträge gegeben und wesentlich zu diesem spannenden Erfahrungsaustausch in familiärer Atmosphäre beigetragen. Unser Dank gilt auch den vielen helfenden Händen beim "Rückbau" des Vereinsraumes. So macht es einfach Spaß! Wir bedanken uns bei Allen Beteiligten und freuen uns auf ein Wiedersehen!

Nicole und Axel

("Hanna" - Baunummer 9)

 

Unser Besuch auf der “boot” in Düsseldorf 2019

Unsere Neugierde war einfach zu groß. Wie ist die "boot" in Düsseldorf im Vergleich zur ehemaligen "Hanseboot"? Natürlich ist dies ein angestengter Vergleich, da die Bootsmesse in Hamburg in den letzten Jahren spürbar nachgelassen hat. Aber wir hatten schon viel über die "boot" gehört und wollten uns endlich ein eigenes Bild machen. Und: Wir wollen auch endlich mitreden können!

Die ganze Unternehmung kann allerdings nur dann gelingen, wenn wir für unseren Jüngsten die Möglichkeit schaffen, dass er sich hin und wieder hinsetzen/hinlegen kann und dabei seine Hörbücher anhören kann. Natürlich müsste das für uns ohne Wartezeiten verbunden sein. Die Lösung hierfür, wenn sie fertig ist, sieht so aus:

Alles ist wieder einmal sehr spontan und es sind nur vier Tag bis zur Messe. Einen faltbaren Bollerwagen bekommt man nicht eben mal beim nächsten Baumarkt. Ein erschwingliches Modell finden wir nur im Internet. Der Anbieter ist im Süden Bayerns ansässig, verspricht aber eine Lieferzeit von 2 Tagen - Respekt, das probieren wir aus. Und tatsächlich, gerade noch rechtzeitig wird der Bollerwagen geliefert. Alleine, ein Dach für den Bollerwagen fehlt jetzt noch. Wir besorgen ein paar Rohre aus dem Elektrobedarf und bauen daraus eine Art Bimini - Alles steckbar. Nun sind wir gerüstet und es kann losgehen.

Wir sind am Samstag, den 27.01.2019 gegen 8:45 Uhr auf dem Parkplatz P2 des Messegeländes und laden das ganze Geraffel aus dem Kofferraum und bauen es zusammen. Sodann machen wir uns im Regen auf zum Eingang des Messegeländes. Wir fragen uns, ob wir mit dem Gerödel durch die Kontrolle am Eingang kommen, oder ob es heißt:" So kommen Sie hier nicht rein, der Wagen bleibt draußen!"

Zu unserer Verwunderung wird uns am Eingang ein kleines Tor neben den Drehkreuzen aufgemacht und wir dürfen nach dem Einscannen der Barcodes unserer Onlinetickets auf unseren Handys passieren. Wir müssen ein ganzes Stückchen laufen, dann mit dem Fahrstuhl hoch und wieder runter fahren und gelangen schließlich zur Halle 9, wo schon viele Messebesucher auf den Einlass warten. Es ist gegen 9:30 Uhr. Die halbe Stunde Wartezeit bis 10 Uhr überbrücken wir mit dem Planen unseres Messebesuchs. Die vorher heruntergeladene App empfinden wir dabei als nicht so hilfreich. Mit Hilfe des Messeplans verschaffen wir uns einen Überblick. Für uns interessant sind die Hallen 15 bis 17, wo Segelyachten ausgestellt sind und die Hallen 10 bis 12 mit Ausrüstung/Zubehör - viel mehr werden wir sowieso nicht schaffen. Unser Kleinster ist währenddessen wirklich geduldig - ein guter Start. Um punkt 10 Uhr erschallt ein Signal. Die Absperrungen werden geöffnet und die Besucherscharen erstürmen die Hallen. Wir beginnen in Halle 17 und finden ungewollt den Stand von Schmidt & Partner. Herr Schmidt ist ein sehr sympathischer Schiffsmakler aus Pinneberg, über den wir unsere Hanna vor 5 Jahren erstanden haben. Wir kommen ins Gespräch; es kommen Erinnerungen, auch an die Zeit, wo wir ein Jahr lang mit Allem, was uns an zeitlichen und nervlichen Ressourcen noch zur Verfügung stand, in unser "neues" Schiff investiert haben.

Als wir weiterziehen, füllt sich die Messe stetig mit Besuchern. Wir interessieren uns u. a. für neue und moderne Schiffs-Konzepte, insbesondere in Bezug auf Kleinkreuzer, die dann auch trailerbar sind. Natürlich nicht, um unsere Hanna gegen ein neues Schiff zu einzutaschen, sondern nur um zu sehen, wo die Entwicklungen hingehen! Wir schauen uns Boote von Viko oder Nortman (Maxus) an. Wir achten dabei sowohl auf die Ausstattung als auch die Verarbeitung und stellen fest, dass unsere Hanna unter Berücksichtigung dieser Aspekte einen Kaufpreis im oberen 5-stelligen Bereich haben müsste! Oder anderes herum gesagt, für ein trailerbares Schiff mit vergleichbarer Ausstattung sowie Verarbeitung müssten wir 70.000 € oder mehr ausgeben - und dann ist es auch nur ein 28-Fuß-Schiff. Wir wissen wieder einmal zu schätzen, was wir an unserer Hanna haben!

Uns faszinieren die teilweise schon fast kunstvoll in Szene gesetzten Schiffe, wie in den beiden folgenden Bildern:

 

 

 

 

 

Bei X-Yachts wurde u. a. eine Bodengruppe für die Kielaufnahme ausgestellt. Sicher ist dies ein zentrales Bauteil, das die Aufgabe hat, die enormen Momente des Kiels bei Schräglage aufzunehmen und in die Rumpfstruktur einzuleiten. Das Ausstellungstück macht jedenfalls einen soliden und vertrauenswürdigen Eindruck.

Als wir an den Ständen mit größeren Booten vorbeikommen, bemerken wir lange Warteschlangen vor dem Tresen der jeweiligen Stände. Auf den Schildern, die gut lesbar auf den Tresen aufgestellt sind, steht: "Besichtigung nur nach Terminvereinbarung." Wir finden das einwenig befremdlich und ziehen weiter in die Halle 10, 11 und 12  mit Ausrüstung und Zubehör. Natürlich sind hier alle Großen Namen, wie Allpa, Lindemann, Seldén usw. vertreten. Leider haben wir nicht genügend Zeit, uns die Stände näher anzuschauen. Das Angebot ist wirklich groß.

Gegen Mittag steuern wir dann die "Vergnügungsmeile" in Halle 12 an. Dort gibt es einen Spielbereich für Kinder mit Hüpfburgen und auch einen Kindergarten. Direkt daneben befindet sich der "boot.club", wo wir uns anmelden und im Loungebereich unser Begrüßungsgetränk einnehmen, während Piet freien Lauf im Kinderbereich hat. Dieser platzt aus allen Nähten - aber Piet hat seinen Spaß.

Mittlerweile ist es schon ziemlich voll und wir kommen am Nachmittag etwas langsamer mit unserem Bollerwagen voran. Die Zeit rennt und wir müssen langsam wieder Richtung Ausgang, denn um 18 Uhr wird die Messe geschlossen.

Auf dem Weg zum Ausgang machen wir noch einen kurzen Zwischenstopp in Halle 8a mit Trendsportarten. Dort gibt es unter anderem ein riesiges Becken für Stand Up Paddling. Außerdem gibt es eine sogenannte „Deepwater-Wave“, eine künstlich erzeugte Welle von stattlicher Größe in einem Becken. Hier ist noch ordentlich etwas los. Wir schauen einen Moment zu und gehen dann zum Ausgang, wo wir erneut unsere Onlinetickets einscanen müssen und dann durch das schon erwähnte Tor gelassen werden.

Unser Resumé der Messe: Der Aufwand mit der Anreise und das Organisieren des Bollerwagens für unseren Kleinsten haben sich definitiv gelohnt. Piet hat die 9 Stunden auf der Messe super mitgemacht. Es gibt unglaublich viel zu sehen auf der Messe und wir wollen nächstes Jahr vielleicht zwei Tage Besuch einplanen. Verbesserungswürdig erscheint für uns die App sowie die Abrufbarkeit von Informationen für Kinder. Auf der Internetseite konnten wir keine Hinweise finden. Erst mit einem Anruf im Vorwege bekamen wir Informationen über Betreuungsmöglichkeiten sowie das Angebot mit den Hüpfburgen.

 

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Wintertreffen der Delphin-66-Liebhaber 2019

Der Termin für unser 3. Wintertreffen steht nun fest: Es ist der 09. Februar 2019 und findet im Vereinsraum des SVE in Elmshorn statt. Beginn ist um 15 Uhr. Es wird wieder viel zu bereden geben - erst recht zu den Beiträgen von Peter Horn, Kerstin Krüger, Jochen Schluifer und Hans Kater, die spannende Themen für uns in Petto haben.

Peter Horn lässt uns an seinem umfangreichen Wissen in Bezug auf Wellendichtungen teilhaben. Peter hatte während seiner beruflichen Tätigkeit mit dem Thema Dichtungen zu tun und wird uns etwas über die unterschiedlichen Dichtungstypen - z. B. Stopfbuchse oder Gleitringdichtung - verdeutlichen. Kerstin Krüger und Jochen Schluifer stemmen derzeit ein Mammut-Projekt: Ein Total-Refit ihres in diesem Jahr erworbenen Delphin-66 „Vagabund“ (Baunummer 4). Kerstin und Jochen geben uns einen Zwischenbericht und bringen vielleicht auch ein paar Teile, wie z. B. die eingelaufene Antriebswelle, zum Anfassen mit. Hans Kater berichtet von seinem Segeltörn nach Helgoland und zeigt uns einen Film dazu.

Und hier unser Vorschlag zum Ablauf unseres Treffens:

  1. Begrüßung durch Nicole und Axel Breuer
  2. Kurze Vorstellung der Boote/Eigner (Präsentation mit Beamer/Leinwand)
  3. Vortrag von Peter Horn zu den Themen "Wellendichtung – Stopfbuchse oder Gleitringdichtung?"
  4. Kaffepause mit Kuchenbuffet
  5. Hans Kater berichtet über seinen Segeltörn nach Helgoland (mit Filmmaterial)
  6. Beitrag von Kerstin Krüger und Jochen Schluifer: Zwischenbericht vom Refit ihres Delphin 66 („Vagabund“)
  7. Offener Erfahrungsaustausch - geselliges Zusammensein

Alle Infos zusammengefasst:

 Datum:  Samstag, den 9. Februar 2018
Beginn ist :  15 Uhr
Veranstaltungsort:  Vereinshaus des SVE
Adresse:   Wisch 20, 25336 Elmshorn
„Notfallnummer“:   0176 – 325 38 98 7
E-Mail:   axelbreuer@gmx.de

Wir freuen uns auf Euch,

bis dahin,

Nicole und Axel ("Hanna" - Baunummer 9)

 

Seit dem 9. Oktober steht unsere Hanna in der Halle

09.10.2018, SVE

Eigentlich wollte ich heute nur den Mast legen und die dafür notwendigen vorbereitenden Maßnahme treffen. Am Ende des Tages liegt der Mast im Regal und das Schiff vor der Halle auf der Slipbahn. Bis auf den Umstand, dass der Eimer zum Sammeln des Wassers aus dem Schwertkasten beim Trockenfallen übergelaufen war, lief heute Alles gut von der Hand. Der Pockenbewuchs hielt sich diese Saison stark in Grenzen. So war es auch bei anderen Vereinskameraden. Letztes Jahr hatten wir ernormen Bewuchs, mit zahlreichen Muscheln sowie Pocken.

Nach dem gründlichen „Abkärcheren“ klariere ich noch das Schiff – morgen schieben wir unsere Hanna dann in die Halle und verholen sie auf ihren Winterlagerplatz, direkt neben der Schiene.

Neben den üblichen Schleif- und Lackierarbeiten, müssen wir uns um die Antriebswelle kümmern. Sie macht bei Fahrt schlagende Geräusche. Das Lager scheint ein wenig ausgeschlagen zu sein. Auch die Stopfbuchsringe werden wir erneuern müssen. Außerdem gibt es eine Undichtigkeit am Diesel-Einfüllstutzen, genauer gesagt an den Tüllen des Verbindungsschlauches vom Einfüllstutzen zum Tank. Hinzu kommt ein möglicherweise ausgeschlagenes Lager des Lüfterrades der Gasheizung. Bei Betrieb raubt uns ein nerviges schleifendes/klapperndes Geräusch den Schlaf. Neben weiteren, kleineren Aufgaben, komplettiert eine Undichtigkeit an der Hutze unseres Toilettenraumes unsere To Do-Liste.

Eines ist klar: Wir werden in Kürze mit den Arbeiten beginnen müssen!

Abschlusstörn 2018

05.10.2018, SVE - Stade

Wir haben heute Urlaub genommen und können daher das Hochwasser gegen Mittag nutzen, um die Krückau hinunter zur Elbe zu motoren. Es ist Anfang Oktober und es ist warm, wie im Hochsommer - Grandios!

Wohin wir heute eigentlich wollen, ist noch nicht klar. Hinter der Krückaumündung biegen wir ersteinmal links ab. Wie wir gerade erfahren haben, ist Kay von Eitzen (http://bianca27.net/Deutsch_Versionen.html) mit einem Freund auf Überführungstour, die gerade in den Stadthafen von Stade einlaufen. Somit wird uns die Entscheidung abgenommen und wir nehmen Kurs Richtung Schwinge-Mündung. Mittlerweile ist schon ablaufendes Wasser und uns drängt sich die Frage auf, ob wir noch genügend Wasser unterm Kiel haben, wenn wir in den Stadthafen von Stade einlaufen. Denn hier liegt man, wie wir später selbst erfahren werden, bei Niedrigwasser im Schlick. Leider ist die normalerweise geöffnete Eisenbahnklappbrücke geschlossen, um einen Güterzug passieren zu lassen. Auch vor der Autobrücke, die sich kurz hinter der Eisenbahnklappbrücke befindet, müssen wir ein wenig warten. Als diese dann auch endlich hochgeht, sehen wir zu, dass wir möglichst schnell in den Hafen kommen. Dieser ist gut gefüllt; ganz vorne liegen einige Traditionssegler. Dahinter haben Motorboote, von teilweise stattlicher Größe festgemacht. Und ganz hinten tummeln sich die Segelyachten – mittendrin die Helmsman 35 mit Kay und seinem Segelfreund.

Nach unserem Anleger gibt’s erst einmal einen Kaffee bei uns an Bord und wir kommen mit Kay ins Plaudern.

Der Rest des Tages vergeht wie im Fluge. Wir gehen zum Hafenmeister, der sein Büro in einer dazu umfunktionierten Schiffsbrücke sitzt - mit phantastischem Blick über den Hafen. Beim Eintreten entfährt es mir etwas vorlaut: „Moin, wir würden gerne den Hafen kaufen!“. Der Hafenmeister entgegnet zu unserer Verwunderung, dass das kein Problem sei und der Hafen zu einem günstigen Preis zu haben sei. Wir kommen etwas ins Gespräch, in dessen weiterem Verlauf ich nach Wasser, zum Auffüllen unseres Tanks frage. Der Hafen wird von den Stadtwerken Stade unterhalten, die nur kleine Mengen Wasser abgeben dürfen. Der Hafenmeister gibt uns einen Schlauchwagen und zeigt uns, wo wir diesen anschließen müssen. Unser Päckchennachbar ist uns netterweise behilflich beim Verlegen des Schlauches über sein Schiff.

Am Abend kommt Kay mit seinem Segelfreund zu uns an Bord und wir verbringen mit beiden sehr unterhaltsame Stunden bis tief in die Nacht – trotz einsetzender Kälte von um die 11 Grad.

06.10.2018, Stade – Glückstadt – Stör

Morgens ist großes Ablegen. Wir machen uns gegen Mittag auf den Weg nach Glückstadt. Dort übergeben wir unseren Kleinen in die Obhut unserer Schwägerin und unseres Schwagers. Dann verholen wir uns in die Stör und legen uns auf Sichtweite zur Peterswerft vor Anker. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, sich um Nichts kümmern zu müssen. Wir haben Zeit, in Ruhe einen gekühlten Sekt bei romantischer Abendstimmung zu genießen – traumhaft! Während wir erfüllt von der Ruhe und dem von der Abendsonne in rötliches Licht getauchten Störufer sind, richten sich unsere Blicke auf ein Segelschiff, das ca. 300 m neben uns ebenfalls vor Anker liegt. Als Besatzung machen wir ein betagteres Paar mit einem ca. 10-jährigen Kind aus. Es sind möglicherweise  Großeltern mit ihrer Enkeltochter. Wie auch immer, jedenfalls sehen wir die beiden älteren Herrschaften, ohne das Mädchen in ihr Dingi steigen, um sich auf den Weg zum Hafen von Borsfleth/Ivenfleth zu machen. Das Enkelkind bleibt alleine an Bord zurück. Soweit, so gut! Allerdings fängt das Mädchen an, an Deck des Schiffes herumzuturnen, als die Großeltern außer Sichtweite sind – natürlich OHNE Schwimmweste! Uns überkommt ein sehr unbehagliches Gefühl, welches bei Vergegenwärtigung der Fakten, wie Strömung und niedrige Temperatur der Stör, in gelinde Angstzustände mutiert. Wenn das Kind über Bord fällt, gibt es unserer Einschätzung nach kaum Überlebenschancen, zumal wir unser Schlauchboot nicht dabei haben. Mit unserem Fernglas bewaffnet, behalten wir das Geschehen im Blick. Nach ca. 20 Minuten können wir dann beobachten, dass die Großeltern wieder auf dem Rückweg sind. Als diese dann an Bord steigen, hat sich das Mädchen bereits wieder eine Schwimmweste angezogen und tut offensichtlich so, als sei Nichts gewesen! Uns wurde wieder einmal klar, wie vorsichtig man bei Kindern sein muß.

Die Nacht verspricht ruhig zu werden. Außer dem Kentern der Tide gibt es laut Windvorhersage Nichts zu besorgen. Leider kommt es anders. Nach dem wir am Abend noch lange, bei absoluter Windstille in der Plicht sitzen können, werden wir gegen 01:00 Uhr von außergewöhnlichen Schiffsbewegungen geweckt. Der Wind hat enorm zugelegt und weht entgegen der Strömung des auflaufenden Wasser der Stör. Es baut sich bei Böen bis 13 m/s aus Nordost eine beachtliche Welle auf der Stör auf. Außerdem läuft das Hochwasser deutlich höher auf. Wir haben mittlerweile 5,60 m unterm Kiel. Ist die ausgebrachte Kette lang genug? Unsere Hanna, und auch das Nachbarschiff, liegen sehr unruhig. Teilweise macht es den Eindruck, als ob das Nachbarschiff Fahrt quer zur Stör macht.  Bei „Wind gegen Strömung“ entsteht ein Wechselspiel der Kräfte, so dass die Schiffe oftmals quer zur Welle stehen – sehr unangenehm. Bis ca. 3:30 schieben wir Ankerwache. Erst dann wird es draußen ruhiger. Der Anker hat glücklicherweise gehalten.

07.10.2018, Stör – SVE

Bevor wir heute Morgen auf die Elbe fahren, motoren wir störaufwärts zur Peterswerft und schauen uns die "Peking", die kürzlich ausgedockt wurde, aus der Nähe an. Man kann erkennen, das schon viel Arbeit in den Schiffsrumpf investiert wurde. Neben der "Peking" liegt noch eine monströse und zugleich hochmoderne Motoryacht mit Englischer Flagge sowie der "Seefalke" der Küstenwache an der Pier der Werft. Offensichtlich hat sie gut zu tun!

Unsere heutige Fahrt in unseren Heimathafen ist zugleich die Letzte für dieses Jahr. Auf der Krückau fange ich schon an, die Schoten und Reffleinen abzuschlagen. Als wir im Hafen des SVE fest sind, bergen wir auch schon die Segel von Bord und montieren den Großbaum ab. In der kommenden Woche werden wir den Mast legen und unsere Hanna auf ihren Winterlagerplatz bringen.

Es war ein wunderschöner Abschluss der Saison 2018! Und wir sind dankbar für die unzähligen schönen Momente die uns dieser phantastische Sommer ermöglicht hat!

 

 



“Grüner Mann Regatta” 2018

28.09.2018, SVE - W.Y.K.

Das Titelbild zeigt das Startschiff, die "Falado", das unserem 1. Vorsitzenden Hans Barzel gehört. Von hier aus hat er die Startlinie bestens im Blick.

Links im Bild ist er zu sehen, der "Grüne Mann": Dabei handelt es sich um ein Seezeichen, das die rechte Seite der Mündung der Krückau in die Elbe kennzeichnet. Es besteht aus drei grünen Beinen, auf denen sich ein grünes Licht befindet, und somit auch im Dunkeln angelaufen werden kann. Wenn man also von der Elbe kommend in die Krückau hineinfahren möchte, ist der "Grüne Mann" auf der Steuerbordseite zu lassen. Ansonsten würde man auf den Steinwall, der bei Hochwasser überflutet und nicht zu sehen ist, auflaufen.

Die Grüne Mann Regatta hat unser 1. Vorsitzende Hans Barzel 2007 ins Leben gerufen und wird von den drei Vereinen W.Y.K., WSVK und SVE ausgetragen.

Bei der Terminplanung für dieses Ereignis sind die Gezeiten zu berücksichtigen. Um die Regatta überhaupt tagsüber austragen zu können, muss das Hochwasser an einem Samsatg, morgens, zum Hinausfahren auf die Elbe und abends zur Rückkehr in den Hafen sein. Die Skipperbesprechnung ist dann am Tag zuvor.

Am späten Freitag Nachmittag brechen wir im SVE auf und motoren zum Hafen der W.Y.K. (Wassersport und Yachthafen Vereinigung Krückaumündung). Um 19 Uhr ist Skipperbesprechnung. Morgen soll die "Bahn 1" (Normalbahn) gefahren werden, ca. 22 sm. Mit Freude nehmen wir zur Kenntnis, dass morgen außer unserer Hanna, noch zwei weitere Delphine an den Start gehen: Die Baunummer 3, "Liekedeeler" (W.Y.K.) und die Baunummer 5, "Damian" (SVE).

29.09.2018, Regattatag

Gegen halb acht legen wir bei ablaufendem Wasser ab und motoren auf die Elbe. Wir legen uns dann an der Ostseite von Pagensand vor Anker, denn Start für die Dickschiffe ist erst ab 11:10 Uhr. Hier entsteht ein großes Ankerfled - es sind um die 45 Regattateilnehmer, die hier zwischenparken - schön anzusehen! Wir haben genügend Zeit, in Ruhe zu frühstücken. Dann packen wir unsere Segel aus und schauen uns nocheinmal die Route für heute an. Der Wind soll mit 4 Beaufort aus West wehen. Für Amwindkurs ok, allerdings für Raumschotkurse zu wenig, da wir nur eine Fock und keine Genua haben. Genau das macht sich später auch bei der Regatta bemerkbar. Im Vergleich zu unseren Schwesterschiffen geben wir uns der Liekedeeler verdient geschlagen. Gegenüber der Damian erarbeiten wir uns schon früh einen deutlichen Vorsprung, der allerdings zum Ende der Regatta wieder deutlich verringert wird. Insgesamt landen wir, unter Berücksichigung des jeweiligen Yardsticks,  im Mittelfeld. Abends findet die Verleihung der Preise, wie gewohnt, in der großen Halle der W.Y.K. statt. Dazu gibt es leckeres Essen. Mit viel Mühe wurden köstliche Salate vorbereitet; dazu gibt es leckeres Grillfleisch und Würstchen. Wir finden die gesamt Veranstaltung sehr gelungen und freuen uns schon auf die "Grüne Mann Regatta 2019"!

30.09.2018, W.Y.K. - SVE

Nicole ist mit Piet über Nacht an Bord geblieben, während ich, um unsere beiden Töchter zu versorgen, mit der Crew von der Damian nach Hause gefahren bin - sie haben mich nettwerweise direkt vor die Haustür gefahren. Am späten Nachmittag komme ich dann wieder in die W.Y.K. und wir legen gegen 17 Uhr, zusammen mit einigen anderen Vereinskameraden, ab mit Ziel Heimathafen. Wir wissen, es wird eine unserer letzten Touren für diese Saison sein. Es überkommt uns ein Hauch von Wehmut.

 





Segeln auf der Elbe mit Familienbesuch aus Bayern

14.09.2018, Elmshorn - Glückstadt

Wir bekommen heute Familien-Besuch aus Bayern. Die beiden gestandenen und segelbegeisterten Herren im Alter von Mitte und Ende 20, sind extra für einen gemeinsamen Segeltörn auf der Elbe angereist. Rechtzeitig sind wir mit der gesamten Mannschaft (einschließlich aller Kinder) an Bord und machen eine Art Einweisung. Diese fällt allerdings sehr kurz aus, da die Beiden Münchner schnell verstehen, worum es geht. Das Ablegen am frühen Abend läuft Dank der hilfsbereiten und geschickten Crew wie am Schnürchen.

Gegen 20:30 Uhr sind wir dann in Glückstadt fest und gehen zum Döner-Laden. Anschließend fahren wir mit der Bahn nach Hause.

15.09.2018, Glückstadt - Elmshorn

Gegen Mittag finden wir uns wieder in Glückstadt ein. Das Ablegen ist nicht ganz so einfach, da der Wind schräg von Achtern kommt und die Boxengasse sehr eng ist. Der Wind drückt das Schiff sozusagen an den Steg, an dem wir längsseits festgemacht haben. Vor uns und hinter uns liegen ebenfalls Schiffe. Wir bringen eine lange Leine, quer über die Boxengasse, zur gegenüberliegenden Seite aus. Unsere ältestes Tochter lassen wir zum Festmachen und zum säteren Losschmeißen dieser Leine zunächst an Land und nehmen sie auf der anderen Seite des Hafens wieder auf. Mit eingelegtem Rückwärtsgang und behutsamen Ziehen an der Leine kommen wir sehr gut aus unserer "Parklücke". Unsere Tochter wirft die Leine los und wir können sie einholen. Die Crew des Segelschiffes hinter uns lobt uns sogar noch für das Manöver. Sie wollen auch gleich ablegen und genauso verfahren. Solange, bis unsere älteste Tochter um den Hafen herumgelaufen ist, kreisen wir umher. Ohne festzubinden springt sie schließlich am Steg, der für die Feuerwehr und Polizei reserviert ist, über.

Wir motoren aus dem Hafen Richtung Westen, als uns ein Anruf erreicht. Ein Vereinskamerad mit seiner Familie, auch mit einem Delphin 66 unterwegs, hat Probleme mit seinem Motor. Sie sind ca. eine halbe Seemeile hinter uns und segeln nur mit der Fock. Wir drehen sofort um geleiten sie, zunächst ohne eine Leine überzunehmen in den Hafen. Trotz eingerollter Fock ist noch etwas zuviel Fahrt im Schiff, zumal der Wind genau von hinten kommt, und das Schiff noch weiter beschleunigt. Wir nehmen eine Leine über und bremsen den Havaristen soweit ab, dass er längsseits an einem der zahlreichen Schiffe festmachen kann. Die Seglerin eines Segelschiffes, an dem der Havarist gerade seine Heckleine überwerfen möchte, ruft zu uns rüber, dass sie gleich ablegen wollen und der Havarist dort nicht festmachen solle. Wir rufen zurück, dass es sich hier um einen Notfall handelt. Sie antwortet, dass sie das wüsste und dass der Havarist an dem Segelboot dahinter festmachen soll - ein unmögliches Verhalten, finden wir!

Nach dem Manöver fahren wir schließlich wieder auf die Elbe raus. Vor uns kündigt sich Regen an, der dann als Platzregen in Verbindung mit Böen bis 8 Beaufort über uns hinwegfegt. Es ist beeindruckend, wie schnell sich die Welle aufbaut. Wir sind froh, als es später wieder aufklart und die Sonne herauskommt. So können wir mit unseren Gästen einen herrlichen Segeltag, mit ausreichend Wind verbringen.

Durch eine Unachtsamkeit meinerseits kommen unsere Gäste noch einmal in den Genuss eines weiteren, nicht alltäglichen Manövers: Wir kommen bei ablaufendem Wasser einem Flach zu nahe, so dass wir Einiges an Anstrengung unternehmen müssen, um wieder frei zu kommen. Mit unserer hochmotivierten und tollkühnen Crew bringen wir unser Schiff zum Krängen. Dafür fieren wir den Großbaum im rechten Winkel, mit einem Teil der Crew darauf sitzend, aus. Durch die Neigung des Schiffes können wir den Tiefgang verringert, so dass wir mit Vollgas wieder frei kommen.

Den Rest des Tages fahren wir verschiedene Kurse: Sowohl Raumschortkurs mit Rauschefahrt als auch hoch am Wind, mit ordentlich Schräglage - alles dabei. Unseren Gästen gefällt es und sie machen einen super Job an der Pinne - Respekt!

 


Rückführung 2018

01.09.2018, Fahrdorf - Schleimünde

Es ist Samstag; unser Rückführungstörn beginnt mit einem eher zweifelhaften Vergnügen: Wir fahren mit der Bahn von Elmshorn nach Schleswig. Dass die Bahn verspätet sein wird, ist nicht die Frage, sondern wieviel? Zu unserem Erstaunen werden es am Ende nur wenige Minuten sein.

In Schleswig werden wir lieberweise von Freunden mit dem Auto abgeholt. Von Fahrdorf starten wir dann zusammen nach Schleimünde. Es wird unsere letzte Fahrt auf der Schlei für diese Saison sein - wir sind einwenig wehmütig.

Vor der Brück bei Lindaunis müssen wir warten. Da die Wasser-Temperaturanzeige immer noch 18,8°C anzeigt, steigen wir nocheimal spoantan ins Wasser - herrlich!

Schleimümde ist gut gefüllt. Wir spielen unseren Vorteil mit dem geringen Tiefgang aus und ergattern noch einen Liegeplatz am ganz inneren Steg und nahe Richtung Land - an der sogenannten " Meno-Brücke". Es wird ein stimmungsvoller Abend mit Grillen und Sonnenuntergang.

02.09.2018, Schleimünde - Kiel-Holtenau

Wir nutzen den Ostwind, der mit ca. drei Beuaufort nicht gerade einen Geschwindigkeitsrausch erwarten läßt. Wir segeln von Schleimünde bis nach Kiel-Holtenau und machen dort ganz vorne am Steg fest. Wir haben einen herrlichen Blick auf die Kieler Förde.

 

 

 

03.09.2018, Kiel-Holtenau - Borsfleth

Wir stehen kurz nach 6 Uhr auf. Von unserem Liegeplatz aus können wir die Signalmasten der Schleuse sehen. Dort leuchtet ein weißes Licht mit einem roten. Sportboote sollen sich bereit machen. Gut, dass wir gestern Abend schon das Ticket für das Passieren des Kanals am Automaten gezogen haben, der an den Steganlagen aufgebaut wurde. Wir legen eilig ab und hoffen in die Schleuse fahren zu können. Leider geht das weiße Licht wieder aus und wir warten ca. 25 Minuten bis wir in die Schleuse fahren können.

Auf dem NOK haben wir dann schließlich die Einfahrt zur Gieselauschleuse ein knappe Seemeile voraus. Wir können  ein Plattbodenschiff erkennen, das gerade dorthin abbiegt. Es sind Piets Patenonkel/-tante. Wir fahren hinterher und machen längsseits bei ihnen fest. Wir sind das erste Mal hier und es gefällt uns richtig gut. Das Wetter ist schön und eigentlich wollen wir am liebsten eine Nacht bleiben. Aber leider haben wir nur noch morgen Urlaub und müssen zusehen, dass wir weiter kommen.

Nach einem kurzen "Schnack" legen wir wieder ab und fahren weiter auf dem NOK zur Schleuse ins Brunsbüttel. So richtig Lust weiter zu fahren haben wir nicht und wir überlegen eine Nacht hier zu bleiben. Aber schließlich siegt die Vernunft und wir warten die nächste Schleusung für Sportboote ab. Der Wind auf der Elbe weht aus Ost und nimmt deutlich an Stärke zu. Wir setzen die Segel, lassen aber den Motor mitlaufen, da wir sonst die Höhe nicht schaffen. Piet hat nach gut 9 Stunden mittlerweile auch keine großartige Lust mehr. Wir wollen möglichst schnell nach Borsfleth und dort festmachen. Lobend erwähnen müssen wir das Personal des Störsperrwerks: Weder beim Rein- als auch beim Hinausfahren müssen wir warten!

Gegen halb acht sind wir dann schließlich in Borsfleth fest. Das war ein langer Tag; insbesondere auch für Piet!

04.09.2018, Borsfleth - Glückstadt - Elmshorn

Die Hochwasserzeiten sind nicht ganz optimal:  Ganz früh morgens und spät Abends. Wir entscheiden uns für das Abendhochwasser, das gegen 23 Uhr in Elmshorn eintritt. Unter normalen Umständen können wir aber zwei Stunden vor Hochwasser in Elmshorn sein. Wir verholen unser Schiff mit auflaufendem Wasser zunächst nach Glückstadt.

Zu der Dunkelheit heute Abend auf der Krückau kommt dann noch erschwerend dazu, dass wir Ostwind haben, und das Hochwasser infolge dessen deutlich geringer ausfällt, als das mittlere Hochwasser. Zudem ist auch noch Nipptide.  Bei Nipptide läuft das Hochwasser geringer auf, da durch die Stellung des Mondes zur Sonne (in diesem Fall Halbmond), die Gravitationskräfte (Anziehungskraft, die von sehr große Massen ausgeht) von Erde und Mond entgegen wirken. Einfacher gesagt: Der Mond zieht das Wasser in die eine Richtung, die Erde in die andere.

Wir laufen gut vier Stunden vor Hochwasser durch das geöffnete Krückauspeerrwerk. Wir wollen am Schlengel  (Schwimmstege, die unser Verein jedes Jahrzun Saisonsart in die des Krückausperrwerkes ausbringt) festmachen und zu Abend essen. Die Sonne scheint und es ist mild. Der Wasserstand der Krückau ist aber noch derart niedrig, dass die Schwimmstege im Schlick liegen. Wir versuchen mit Volldampf möglichst weit an die Schwimmsteg heranzukommen. Gut zwei Meter vor den Schwimmstegen bleiben wir dann aber im Schlick stecken. Wir werfen eine Leine über eine der Klampen, die auf den Stegen befestigt sind. Das klappt nicht beim ersten Mal, sondern erfordert viel Geduld - aber letztendlich mit Erfolg. Jetzt haben wir Zeit für ein Abendessen in idyllischer Umgebung. Später schwimmt unsere Hanna auf und dreht sich mit dem auflaufenden Wasser.

Gegen 20 Uhr starten wir dann den Motor und legen ab. Jetzt kommt der spannende Teil der Fahrt nach Elmshorn. Es ist immer noch nicht viel Wasser in der Krückau. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto weniger Wasser haben wir unter dem Kiel. Es wird immer dunkler und es wird schwierig den Verlauf der Krückau zu erkennen. Dies ist aber wichtig, da wir in Kurven immer außen fahren müssen, da dort die Krückau am tiefsten ist. Kurz nach 21 Uhr stecken wir dann unweit der Hafeneinfahrt zum SVE fest. Es ist mittlerweile schon dunkel. Wir bringen mit unserem Schlauchboot eine Leine zur rechten Seite der Hafeneinfahrt aus, um zu verhindern, das das Schiff gegen die linke Spundwand der Hafeneinfahrt treibt. Wir arbeiten uns dann mit dem langsam steigenden Wasserpegel Meter für Meter vor. Die Wartezeiten überbrücken wir mit Klarieren des Schiffes. Unser zweiter Vorsitzender ist zufällig noch im Hafen und macht uns Licht. Als wir es bis kurz vor unseren Liegeplatz geschafft haben, bringen wir dort eine Leine an Land aus. Nicole setzt das Schiff zurück und gibt dann Vollgas voraus, während ich von Land aus mit einer langen Leine ziehe. Nach vier Mal hin und her kommen wir endlich auf unseren Platz. Wir sind erleichtert. Was wäre gewesen, wenn das Hochwasser nicht gereicht  hätte ....