Rückführung 2019 – Teil 1

06.09.2019, Fahrdorf - Ankerbucht Buke-Noor (Schlei)

Die Wettervorhersage für dieses Wochenende ist miserabel: Fast nur Regen und Kälte. Dennoch machen wir uns heute auf den Weg zur "Hanna", denn wir wollen unser Schiff zurück in unseren Heimathafen SVE überführen – wir haben ja eine Heizung, kann also auch ganz gemütlich werden.

In Fahrdorf angekommen, beeilen wir uns, loszukommen. Wir motoren bei ausgerollter Fock gute sechs Knoten. Dafür, dass wir Böen bis 7 Beaufort mit unserem Vorsegel einfangen und unsere Maschine ca. 2.300 U/min dreht, sind wir eigentlich zu langsam – Bewuchs?

Es ist kaum was los auf der Schlei. Auf der Großen Breite kommt uns dann ein Katamaran mit schneller Fahrt entgegen. Es ist viel Wind. Ein kleines Stück neben uns erwischt es den Kat und kentert. Wir behalten den Havaristen im Auge. Es dauert ziemlich lange, bis die beiden Segler den Kat wieder aufgerichtet haben, just in dem Moment, als wir uns entschließen, umzudrehen.

Wir wollen heute mindestens noch die Lindaunis-Brücke passieren, damit wir morgen nur noch die Klappbrücke in Kappeln zu nehmen haben. Erst als wir schließlich im Buke-Noor am Haken liegen, fängt es leicht an zu regnen – wir hatten wieder einmal Glück gehabt, bzw. unser eiliges Ablegen hat sich ausgezahlt. Nicole hat sogar noch geschafft, das Sonnensegel (hier: gegen Regen) über den Baum zu spannen, so dass wir schön gemütlich unter der Sprayhood sitzen können – genial, insbesondere diese wunderbare Ruhe!

07.09.2019, Ankerbucht Buke-Noor – Kiel Holtenau

Wir stehen um sechs Uhr auf – und das, an einem Wochenende - muss man mögen und als Nichtsegler würde man sicher niemals freiwillig um diese Uhrzeit sein Bett verlassen. Wir trinken noch schnell einen frisch aufgebrühten Kaffe (ein Hochgenuss am frühen Morgen) und holen eine halbe Stunde später den Anker hoch. Wir wollen die Brückenöffnung um 7:45 Uhr in Kapplen bekommen, denn für nachmittags ist Gewitter vorhergesagt – das wollen wir möglichst umschiffen. Heute Morgen scheint sogar noch die Sonne – wunderschöne Morgenstimmung!

Gegen Mittag erreichen wir Kiel Holtenau. Wir legen uns gleich ganz vorne, an den inneren Steg. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Förde und vorteilhafterweise auch auf die Signalmasten für das Einlaufen in die Schleuse. Der äußere Steg wird derzeit rückgebaut. Wie wir vom Hafenmeister am nächsten Morgen um kurz nach 7 Uhr erfahren, gab es einen Hochwasserschaden und die Bezuschussung vom Land SH wurde eingestellt; der Status „Schutzhafen“ aberkannt. Das finden wir sehr schade.

Am Abend kommen Freunde von uns und legen sich mit ihrer Bianca 27 vor uns, längsseits an den baufälligen Rest des noch nicht rückgebauten Teils der Steganlage.

08.09.2019, Kiel Holtenau – Rendsburg Stadthafen

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Der erste Blick, nachdem man am frühen Morgen aus der Koje gekrabbelt ist, richtet sich automatisch auf die Signalmasten. Üblicherweise kreisen selbst in den frühen Morgenstunden schon Sportboote im Wartebereich umher, in der Erwartung, jeden Moment das Signal „unterbrochen weiß“ zum Einlaufen in die Schleuse zu erhalten. Das führt dann immer dazu, dass ich hektisch in meine Klamotten steige, den Motor starte, schnell die Leinen lostütel, um dann Hals über Kopf abzulegen. So auch heute. Auch unsere Freunde stehen schon so früh in den Startlöchern, so dass wir zwanzig nach 7 Uhr ebenfalls im Wartebereich hin- und herkreuzen. Hätten wir gewußt, dass wir erst gegen Mittag (gut 5 Stunden Wartezeit!) in die große Schleuse einlaufen können, wären wir noch in den Kojen geblieben!

Als die erste Stunde verstrichen ist, kommt eines unserer Schwesterschiffe, die „Damian“ (Vereinsschiff vom SVE) auf uns zu. Ein guter Freund von uns ist an der Pinne. Wirklich großer Zufall, denn die Crew ist aus Travemünde gestartet und überführt ebenfalls an diesem Wochenende zu unserem gemeinsamen Heimathafen SVE. Wir hatten mit der Bianca 27 bereits ein „treibendes Zweierpäckchen“ gebildet – nun wird es ein Dreierpäckchen. So wird aus der Not die Tugend. Wir trinken gemeinsam Kaffee und kommen ins Quatschen – wir haben eine tolle Zeit!

Auf Kanal 12 verfolgen wir den Schleusenfunk und bekommen erst nach ca. zwei
Stunden den entscheidenden Funkspruch von der Schleusenwarte zu hören: Nebel auf dem NOK, das Befahren des NOK derzeit nicht zulässig - dass kann noch dauern! Wir lösen unser Dreiepäckchen auf, und machen
am Tiessenkai fest. Da die „Damian“ Motorprobleme hat, nehmen wir sie in Schlepp. Gegen Mittag dann kommt über Kanal 12 der entscheidende Hinweis für die Sportboote zum baldigen Einlaufen in die Schleusenkammer. Es ist klar, dass es enorm voll wird. Es sind nämlich schon drei große Feeder bzw. Frachter in die Schleuse gefahren. Außerdem ein Schlepper und ein großer Traditionssegler. Dazu sind bestimmt 30 Sportboote, auch darunter größere Schiffe mit über 60 Fuß sowie Katamarane und Trimarane - das gibt ein Hauen und Stechen! Bereits im Vorwege wurde über Funk Unmut über die langen Wartezeit geäußert. Wir entschließen uns, als Letzte in die Kammer zu fahren – das war definitiv die richtige Entscheidung!

Nach dem Auslaufen aus der Schleuse trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Hier kommt endlich mal der Vorzug unseres Delphins zum tragen: Wir laufen trotz Bewuchses am Unterwasserschiff um die 6,2 Knoten. Wir lassen viele Schiffe, auch größere, hinter uns.

Beim Einbiegen in die Obereider sehen wir eine imposante Motoryacht am Anleger der Nobiskrug-Werft.

In Rendsburg sind wir kaum fest, da kommt schon unser lieber Freund aus Fahrdorf und bringt uns nach zu unserem Auto. Wir bekommen sogar noch etwas Leckeres zu Essen (danke Anja!), dann brechen wir auf nach Elmshorn. Nächstes Wochenende soll es dann, wenn nichts dazwischen kommt, weitergehen.





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